Graz darf nicht Višegrad werden

Steiermark | Essay: Norbert Mappes-Niediek | aus FALTER 34/12 vom 22.08.2012

Alles, was sich in dieser Stadt bewegt, ist die Mur - und das soll sie bitte auch weiterhin tun

Mehmed Pascha Sokoloviæ, "der größte unter den Weisen und Großen seiner Zeit“, wie er in einer alten türkischen Inschrift genannt wird, erfüllte anno 1578 "das Gelöbnis seines Herzens“ und erbaute bei der Stadt Višegrad eine Brücke über die Drina, den Grenzfluss zwischen Bosnien und Serbien. "Über diesem Wasser, tief und schnellen Laufes“, wie es in einer Tafel auf der Brücke heißt, "konnten seine Vorgänger nichts erbauen.“

Das will man gerne glauben, wenn man alte Bilder von dem wilden Strom sieht, etwa noch von dem jugoslawischen Schriftsteller Ivo Andriæ, der dieses Meisterwerk der Architektur in seinem nobelpreisgekrönten Roman "Die Brücke über die Drina“ besungen hat. Heutige Besucher allerdings können über den preisenden Spruch nur lachen. Statt in einem "Wasser tief und schnellen Laufs“ steht die Brücke jetzt nämlich in einem riesigen Ententeich. Die einst


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