Phettbergs Predigtdienst

Mein einziger Punkt meiner Intimität

Kolumnen | aus FALTER 34/12 vom 22.08.2012

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Nun ist es passiert, die Hose rutschte mir herunter während des Lulu, ich musste mich an den Rollator klammern, um die Hose kniend hochzubekommen. Um sie aber ganz zuzuschnüren, muss ich mich immer flach hinlegen. Paul will mir einen Hosenträger schenken, aber da müssten auf alle Jeans Knöpfe kommen. Am Eck zur Aegidiapotheke sammelten sich ca. 15 Frauen, aber kein Mann, den ich bitten hätte können, mich hochzuhieven. Wenn mir das wieder passiert und wieder die "Rettung“ gerufen wird, was soll ich nur tun? HILFE.

Gestern konnte ich - wie vorgestern - nicht scheißen. Frau Göbel und ich wollten zum Spar gehen, doch ich saß stundenlang am Klo, lag stundenlang im Bett, konnte aber nur darauf liegen, damit ich mein Kotloch nicht belastete, ich wand mich vor Schmerzen. Dazu geht mein Internetzugang nicht, weder herein noch hinaus lässt es was. Interessant, sowohl mein Kot als auch meine Mails wollten nicht! Sehr bald muss ich zudem einen Installateur bitten, meinen Wasserabfluss durchzupumpen. Alles stopft.

Auch heute konnte ich nicht scheißen und zittere, den Hosengürtel mir irgendwo liegend schließen zu müssen, so macht das Leben keinen Spaß. Der Schlaganfall erholt sich fortwährend und hört erst auf, wenn der Körper sich wieder alles zurückholt. Am liebsten wäre ich in einem Einzimmer-Gefängnis, das meine Misere erlöst.

Es ist schlimm mit dem Scheißen gestern weitergegangen: Um ca. 15 Uhr hatte ich das Gefühl: "Jetzt scheißen!“ Gegenüber der Kapelle der Barmherzigen Schwestern steht ein Bett mit Rädern, es ist aber ganz mit Plastik eingepackt. Vor der Toilette steht es, dort hatte ich geschissen, und in der Sekunde, wo ich mich erlöst aus der Toilette herausschlich, kam eine Krankenschwester und sah, dass ich mich auf das plastikverhüllte Bett setzen wollte. Sie sah aber Gott sei Dank nicht, dass ich mir die Hosen mit der Hand festhielt. Aber das ist der eigentliche Grund, warum ich jeden Samstag um 15.30 Uhr in die Vorabendmesse komme, damit ich mich dann korrekt verhüllen kann, wenn mir "was passiert“.

Im Moment hab ich keine Kleidung, die ich allein korrekt schließen kann. So weit ist mein einziger Punkt meiner INTIMITÄT geschrumpft.

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