Selbstversuch

So viel zum Leben in der schönen Natur

Doris Knecht 

Kolumnen | aus FALTER 34/12 vom 22.08.2012

Zwei Wochen ins Blaue geschaut. War schön. Heimgekommen, Riesenzucchini geerntet, Bohnenrezepte gegoogelt. Und festgestellt, dass die Housesitter das Haus vorbildlichst in absolut tadellosem Zustand hinterlassen haben, und praktisch brennholzfrei: Damit haben sie, erklärten sie in einer netten Nachricht, schöne Lagerfeuer gemacht, das Holz werde aber ersetzt.

Ins Lagerfeuer. Das schöne trockene Brennholz.

Ihr Stadtmenschen! Folgendes! Am Land ist es so! Man kauft das Holz von dem Bauern, der am nächsten wohnt, der macht einem einen guten Preis und kippt es einem geschnitten und gehackt in den Hof! Also alles super easy, überhaupt kein Problem! Aber! Im Spätsommer hat der Bauer dafür keine Zeit! Im Spätsommer fährt er sieben Tage die Woche von frühmorgens bis spätabends auf seinem John Deere auf seine Felder und bringt seine Ernte ein! Wenn man den Bauern im Sommer um Holz fragt, winkt er freundlich zurück, weil der John Deere so laut ist, dass einen der Bauer gar nicht hört, wenn man winkend zu ihm hinaufbrüllt!

Es war aber in Wirklichkeit mein Fehler. Ich habe den Haussittern dieses superpedantische User-Manual hinterlassen, wo sie sich garantiert an den Kopf gegriffen haben: echt, jetzt? Da stand von A bis Z jede Kleinigkeit drin, wo das Putzzeug ist, wie die Waschmaschine funktioniert, womit man die Nachbarskatzen füttern muss und dass man nicht zu viel klospülen darf, wegen chronischen Wassermangels. Und auf keinen Fall das Wasser trinken! Ist giftig!

Wir wohnen hier nämlich am schönsten, fettgrünsten Land, unweit eines sauberen Flusses, aber das Wasser im Brunnen ist stets am Versiegen und, wir haben’s testen lassen, total verseucht, weil es von den Feldern oben die Pestizide hineinschwemmt und von nebenan die Fäkalkeime, weil die Kühe vom Nachbarn praktisch direkt hineinbrunzen. Mit dem Wasser kann man gerade einmal abwaschen und klospülen. Das Trink- und Koch- und Salatwaschwasser muss man in Plastikflaschen und mit dem Auto viele Kilometer entfernt beim Billa kaufen oder in großen Kanistern aus Wien mitbringen. Oder beim Pfauennachbarn schnorren, der einen neuen Brunnen hat bohren lassen, 38 Meter tief, damit die Kuhscheiße und das Nitrat nicht rankommen; so viel zum Leben in der Natur.

Jedenfalls. Das mit dem Holz ist meine Schuld, weil ich vergessen habe, in dem kleinkarierten Manual zu erwähnen, dass man für das Lagerfeuer das Holz nehmen soll, das ungeschnitten auf dem Haufen neben dem Kompost liegt, nicht das schön aufgestapelte aus dem Schuppen. Und es ist auch dem Horwath seine Schuld, der mit den Gästen am Lagerfeuer saß und nichts gesagt hat. Grinsend wahrscheinlich; weil er sich daran erinnert hat, wie wir, als wir einst sein Haus sitteten, sein Brennholz im Lagerfeuer verheizt haben, damals, als wir noch Stadtmenschen waren.


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