Tiere

Schüttelreim

Falters Zoo | aus FALTER 34/12 vom 22.08.2012

Peter Iwaniewicz fragt sich, wieso manche Fragen unerforscht bleiben

Es geht nichts über eine gute Schlagzeile! Liest man zum Beispiel im Bild der Wissenschaft über einem Artikel in großen Lettern "Die Trocken-Schüttelformel“, dann will man im Speziellen als männlicher Leser Näheres darüber erfahren. Kann damit ein unangenehmes Hygienethema - das hier nur als Problem des letzten Tropfens angedeutet werden soll - gelöst werden?

Oder gibt es endlich neue Erkenntnisse zu der überraschend oft in Onlineforen diskutierten Frage, wieso viele Menschen beiderlei Geschlechts nach dem Urinieren ein Reflex zum unwillkürlichem Kopfschütteln überkommt? Schütteln jetzt nicht Sie beim Lesen dieser Zeilen den Kopf, denn dieses Phänomen beschäftigt viele. Und in allen Fällen, wo bedeutende Fragen der Menschheit anstehen, dort gibt es auch ein passendes Fachvokabel: post-mikturale Zuckungen. Diese Verbalausstattung erlaubt es Ihnen, gesittet mit Ihrem Urologen darüber zu sprechen.

Doch Antworten dazu sind rar. Manche Theorien vermuten einen mit dem Ablassen der Flüssigkeit einhergehenden Wärmeverlust, andere orten als Ursache eine Kollision im vegetativen Nervensystem: Der Parasympathikus leitet den Entleerungsvorgang ein, reizt die Blasenmuskulatur zur Anspannung.

Der Sympathikus hingegen lässt die Blase erschlaffen und kontrahiert dann die entsprechenden Schließmuskel. An der Schnittstelle zwischen Halten und Lassen sollen sich dann auch Nervenimpulse entlang der Wirbelsäule ausbreiten. Aber nichts Genaues weiß man nicht.

Leider hilft da auch die Trocken-Schüttelformel nicht weiter. Diese berechnet stattdessen die Frequenz mit der sich Säugetiere schütteln müssen, um Wassertropfen aus ihrem Fell zu entfernen. Denn wer weder Hände noch ein Handtuch zum Abrubbeln besitzt, der muss sich auf diese Weise trocknen und vor Unterkühlung schützen.

Je kleiner die Tiere sind, desto schneller müssen sie dazu ihren Körper schütteln. Die Formel: Frequenz = Masse hoch minus 0,22. Mäuse, die sich nur so langsam wie ein Hund abschütteln, bleiben demnach genauso nass wie vorher. Die Autoren schreiben im Resümee der Studie: "Schütteln bei Nässe ein uralter Überlebensmechanismus (…), haarlose Säugetiere, wie der Mensch, haben diesen Instinkt hingegen verloren.“

Das bezweifle ich, solange es keine soliden Studien über die post-mikturalen Zuckungen bei uns nackten Affen gibt.

zeichnung: püribauer.com


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