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Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 35/12 vom 29.08.2012

Es war, wenn ich mich recht erinnere, der Schriftsteller Feridun Zaimoglu, der auf die Nachfrage, ob er sein Interview "gegenlesen“ wolle, antwortete, das sei doch was für Bettnässer. So was mögen wir natürlich: kommt cool und spart Arbeit. Weil Journalisten aber in Wirklichkeit viel verständnisvoller sind, als man glaubt, sind uns die Gegenleser praktisch genauso lieb: Sie sind gewissenhaft, zeigen, dass ihnen die Sache wichtig ist. Sie sind praktisch so wie wir.

Die Autorisierung von Interviews ist vor allem im Falle von Politikern hilfreich: Sie können sich dann nicht mehr herausreden, und man kann ihre oft übervorsichtigen Aussagen auch ein wenig zuspitzen, und wenn’s durchgeht, haben sie es auch gesagt. Die Kehrseite der Medaille: Manche missverstehen die Autorisierung als Lizenz zum Neuschreiben.

Unvergessen die persönliche Übergabe eines Interviewmanuskripts durch den Sekretär einer Politikerin in den frühen 1990ern, in dem - Obacht, dreifache Verneinung! - nicht bloß die nicht ganz so nichtssagenden Antworten gestrichen, sondern die nichtssagenden, die wir schon gestrichen hatten, wieder eingefügt worden waren - und zwar mithilfe von Schere, Tixo und Papier.

Heute ist das alles viel einfacher. Und im Unterschied zu vielen hat Filmmuseumsdirektor Alexander Horwath (siehe Seite 22) ja viel Kluges und Pointiertes zu sagen. Das mit dem Gegenlesen werden wir beim nächsten Mal aber neu verhandeln. Das Gespräch fand übrigens Mitte August statt, wenige Tage bevor Regisseur Tony Scott, der auch Gegenstand des Interviews ist, Selbstmord beging.


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