Mediaforschung  

Ein Maiskolben aus Geld macht Menschen nicht satt

Verführungskolumne

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 35/12 vom 29.08.2012

In der Welt hungern Menschen, knapp eine Milliarde. Steigt der Getreidepreis, werden es mehr.

In der Welt spekulieren Menschen an der Börse mit Nahrungsmitteln, sie verdienen Milliarden. Steigt der Getreidepreis, werden es mehr.

Der heurige Juli war für die USA der heißeste seit den ersten Aufzeichnungen der US-Wetterbehörde im Jahr 1895. Die andauernde Hitze hat den Boden ausgedorrt, ein Sechstel der Maisernte ist verloren. Seit Juni stieg der Maispreis um 45 Prozent. Menschen verhungern daran, Menschen verdienen daran.

Zahlreiche Studien belegen mittlerweile, dass Anleger mit Wetten auf die Preisentwicklung von Nahrung den echten Preis von Essen beeinflussen. Während sie Geld scheffeln, treiben sie den Preis für Lebensmittel in die Höhe. Laut dem deutschen Nachrichtenmagazin Spiegel hat sich der Handel mit Agrarpapieren zwischen Juni und Juli fast verdreifacht.

Mais ist Geld. Genau das zeigt die neue Kampagne der Caritas, die zur Onlinepetition "Stopp die Spekulation auf Nahrungsmittel!“ aufruft. Sie richtet sich an Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP), die sich auf EU-Ebene für ein Spekulationsverbot einsetzen soll. Das Sujet fasst das Geschäft mit Nahrung ebenso simpel wie eindrucksvoll zusammen. Es stammt von der Agentur McCann, die Euromünzen und -scheine fotografieren ließ und einen 3-D-Künstler beauftragte, der daraus am Computer einen Maiskolben formte: Blätter aus 100-Euro-Scheinen. Körner aus Euromünzen. Ein perverses Bild in einer perversen Zeit.


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