Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 35/12 vom 29.08.2012

A Hitler miaßat her!“ Dieser Spruch kehrt wohl immer wieder in der Dokumentarreihe "Alltagsgeschichten“, die die Journalistin Elisabeth T. Spira von 1985 bis 2006 gemacht hat. ORF 2 wiederholt jeden Sonntag (22 Uhr) die Reportagen über den Wiener Alltag. Bei der letzten Folge etwa interviewte Spira Bürger an der Haltestelle. "Da kummt ja der Bus“, sagt eine alte Frau, die ihre Pelzmütze wie einen Helm trägt. Sie beschwert sich über Vandalismus und arbeitsscheue Ausländer. "So a Gsindel!“

Dieses Filmmaterial wirkt wie eine archäologische Grabung im Diskurs der Ära Jörg Haider. Bevor TV-Formate wie "Saturday Night Fever“ die gesellschaftlichen Underdogs zu saufendem und fickendem Hedonismusabfall stilisierten, suchte Spira nach den Spuren eines selbstbewussten Proletariats, dessen Vertreter längst Pensionisten waren. Die Deklassierten warten auf einen starken Mann; stattdessen kommt der 13A.


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