Milane über der Villa

Feuilleton | Würdigung: Sigrid Löffler | aus FALTER 35/12 vom 29.08.2012

In seinen jüngsten Romanen dekliniert António Lobo Antunes noch einmal sein Lebensthema durch

Vor fünf Jahren, als António Lobo Antunes, der portugiesische Großbürgersohn, Arzt und Schriftsteller, 65 Jahre alt war, musste er sich einer Darmkrebsoperation unterziehen. Dabei blieb es nicht, denn unverzüglich verwandelten sich ihm die zwei Wochen, die "Senhor Antunes“ in Lissabon im Krankenhaus lag, in einen Roman - wie alles, was diesem Autor in seinem Leben widerfährt.

"An den Flüssen, die strömen“ kommt zwar in Tagebuchform daher, als Chronik eines zweiwöchigen Spitalsaufenthalts, doch der Erzählduktus ist alles andere als trocken chronikal. Alles in diesem Buch fließt und verfließt - ein unentwegt sprudelnder Bewusstseinsstrom. Die unverwechselbare Erzählform, die Lobo Antunes für sein Romanwerk entwickelt und die ihn berühmt gemacht hat, wendet er auch hier an - und sie schmiegt sich passgenau auch an diesen autobiografischen Text.

In der träumerischen Trance der Erinnerungsfluten


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