Stadtrand 

Fragt nur, Touristen, wir wissen alles!

Urbanismuskolumne

Stadtleben | aus FALTER 35/12 vom 29.08.2012

Man ist ja so scheißfreundlich zu Touristen. Also jetzt weniger aus Sorge um den Wirtschaftsstandort, sondern weil man selbst auch manchmal einer ist. Und wenn man dann ratlos in der Gegend herumsteht, ist es hübsch, wenn jemand kommt und sagt, wo’s langgeht. In Wien lassen sich ganze Tage damit füllen, ratlos in der Gegend Herumstehenden den einen oder anderen Tipp zu verpassen. (Tatsächlich wäre es ein guter Marketinggag, wenn der Tourismusverband als normale "Stadtbewohner“ verkleidete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den touristisch hochfrequentierten Plätzen aufstellen würde.)

Man schickt also Wien-Besucher von A nach B, zeigt ihnen - ständig! -, wo der Bus zum Flughafen abfährt, brüllt sie nicht an, weil sie auf dem Radweg stehen, und empfiehlt ihnen die beste Eisdiele der Stadt. Glücklicherweise fährt die U1 seit dieser Woche wieder. Erklären Sie doch einmal vollbepackten Rucksackreisenden, die nachts auf einer Verkehrsinsel am Karlsplatz gestrandet sind, wie sie jetzt ohne U1 zum Südtiroler Platz kommen sollen. Mit dem Taxi. Übrigens.


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