Prost!  

Mit diesem Saft ist leider nicht gut Kirschen essen

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Kirschennektar

Stadtleben | aus FALTER 35/12 vom 29.08.2012

Wer bei der heurigen Kirschensaison zu kurz gekommen ist, dem sind vermutlich beim Anblick des für kurze Zeit feilgebotenen Kirschennektars einer bekannten Supermarktkette Stielaugen gewachsen. Jammerschade, dass es solche regionalen Dinge nur so kurze Zeit gibt! Umso erfreulicher, dass die Firma Kirschenhof Hinteregger die Flüssigkonserve mit einem beachtlichen Fruchtanteil von 50 Prozent abfüllt. Obacht: Die Enttäuschung über das Produkt fällt aber mindestens so groß aus wie zuvor die Erwartung. Man könnte nämlich meinen, dass eine der süßesten Früchte ohne achtprozentige Zuckerbeigabe auskommen sollte. Weit gefehlt! In Oma-Manier wurde gesüßt, der Saft so lange erhitzt, bis lediglich ein säuerlicher, von der beigefügten Zitronensäure herrührender Geschmack übrigblieb. Bitter ist das! Die satten 1,99 Euro für den schmalen Halbliter investiert man besser anderweitig.

Die Produktion von gutem Kirschsaft liegt in diesem Land seit langem im Argen. Bei den altbekannten, im Tetrapak abgefüllten Amarenasäftchen könnte man endlich die Qualitätssteigerung in Angriff nehmen. Wo sind die Zeiten, in denen man noch einen guten Beckers-Bester-Kirschsaft mit Fruchtmark in der noch halbkommerzialisierten Kastanienallee in Prenzlauer Berg schlürfen durfte? Da schaute noch nicht jedes Lokal aus wie ein Klon des anderen. Und gemischt mit Bananensaft ergab es das herrliche Getränk namens Kiba mit dem schönen rot-weißen Marmoreffekt. Der perfekte Drink, um die vorhergehende Caipirinha-Half-Hour mental auszumerzen. MS


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