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Zum Fürchten

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 35/12 vom 29.08.2012

Glaubt man dem Esoterikbericht des Landes, fürchten bis zu 40 Prozent der Steirer den Weltuntergang oder halten ihn zumindest für möglich. Die Zahl würde einiges erklären, was sich in der Steiermark in letzter Zeit zugetragen hat. So ist durchgesickert, dass die Behörde dem umstrittenen Murwasserkraftwerk in Puntigam in erster Instanz einen positiven Bescheid erteilt. Im Bescheid, so berichtete die Kleine Zeitung, wird zwar eingeräumt, dass Fische an Lebensraum verlieren und die Zustandsklasse des Murabschnitts von der Kategorie "gut“ auf "mäßig“ abfällt, doch das öffentliche Interesse überwiege. Im Gegenzug soll das Kraftwerk Strom für rund 20.000 Haushalte liefern. Ein hoher Preis.

Verständlicher wird auch das Vorgehen in Sachen Feinstaub. Seit die Grazer der Umweltzone eine Absage erteilt haben, ist nichts passiert. Wozu auch, wenn das Weltende naht? Vor diesem Hintergrund wirkt auch folgende Meldung kaum beunruhigend: Das Global Footprint Network hat errechnet, dass der Welterschöpfungstag auf letzte Woche fiel. Der Mensch nimmt sich seit letzter Woche mehr von der Erde, als diese an natürlichen Ressourcen erneuern kann. Ab jetzt leben wir eben auf Kredit.

Aber angenommen, die Welt geht gar nicht unter - ein Szenario, das man immerhin in Betracht ziehen muss: Dann müssen wir, so das Kraftwerk kommt, wohl damit leben, dass die reißende Mur auf einer ihrer letzten freien Fließstrecken zum zahmen Bach rückgestaut wird, in dem weniger Fische leben, wie Umweltschützer warnen. Auch der Feinstaub wird uns weiterhin Lebensmonate kosten. Die Politiker schauen tatenlos zu. Das ist wirklich zum Fürchten.

Donja Noormofidi ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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