Selbstversuch

Das hat aber sicher nichts damit zu tun

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 35/12 vom 29.08.2012

Die Mimis sind bei Oma, der Lange und ich brodeln allein am Land umadum, es ist nett. Es ist auch ein bissl fad. Weil’s ihm zu fad wurde, ist der Lange, weil hier in der Gegend partout nichts wachsen will, mit dem Horwath 40 Kilometer nach Norden gefahren, Schwammerln suchen. Darüber schreibe ich lieber nicht. Kleine Kinder sind ein Schas gegen zwei erwachsene Männer, von denen einer zwei winzige Eierschwammerln findet und der andere eine sturschädlgroße Krause Glucke. Am Abend haben, was aber sicher nichts damit zu tun hat, die Horwaths drüben allein ein Sulmtaler gegessen und wir herüben allein Nudeln mit Krauser Glucke, was, wenn’s nach der Horwathin und mir gegangen wäre, super zusammengepasst hätte, aber. Wir haben lieber nichts gesagt. Wir haben nur still die Augen verdreht.

Dafür hat der Horwath jetzt wieder ein Boot. Ein wunderschönes altes Segelboot aus Mahagoni, acht Meter lang. Das Boot liegt im Stadl von den Ludeschers, und es lag dort schon, als sie das Haus gekauft haben, das auf einem grünen Hügel liegt, kein großes Wasser weit und breit, nirgends. Und: Der Ludescher ist nicht so der Wassermensch, er geht lieber in die Berge. Und die Ludescherin braucht auch kein Boot, sie hätte, weil sie so gern und gut für Freunde kocht, lieber eine große Laube, wo die Freunde dann sitzen können, und wenn das Boot aus dem Stadl verschwände, könnte man hier und hier und hier eine Wand herausnehmen und hätte dann eine riesige Veranda, mit Platz für einen Tisch für Minimum 20.

Also haben die Ludeschers das Boot verschenkt, und zwar insgesamt viermal. An vier glückliche Neoskipper, die beides bald nicht mehr waren, als sie kapiert haben, dass sie das Boot nicht aus dem Ludescher-Stadl herauskriegen. Irgendwas mit dem Wagen, auf dem es steht, und einem komplett verrosteten Fahrgestell und Schrauben und Ersatzteilen, die es nicht mehr gibt. Dann waren wir mit den Horwaths bei den Ludeschers zu einem Wahnsinnsessen eingeladen, und wie wir das Haus gezeigt bekamen, hat der Horwath das Boot gesehen. Der Horwath hat’s ja mit dem Wasser. Er hat das kleine Küstenpatent. Er hat eine Kapitänsmütze, auf die ich ihm mit goldenem Garn "MS Waldviertel“ gestickt habe. (Die Kinder: "Miss Waldviertel? Wieso?“) Er hat nur kein Boot.

"Maah! Was für ein schönes Boot“, hat der Horwath gesagt.

"Ich schenk’s dir“, hat der Ludescher gesagt, "musst es nur abholen.“

"Echt jetzt?“, hat der Horwath gesagt.

"Echt“, hat der Ludescher gesagt.

Seither holt der Horwath das Boot ab. Es ist alles irrsinnig verschissen mit dem verrosteten Wagen, und nächste oder übernächste Woche werden wir uns das Boot bei Sturschädl Horwath drüben anschauen, das ist so sicher, wie dass es heuer in der Gegend keine Schwammerln gibt.


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