Tiere

Comeback

Falters Zoo | aus FALTER 35/12 vom 29.08.2012

Fast hätte ich schon eine Initiative zur Rettung des Sommerlochs ins Leben gerufen, da heuer im Juli und August nur die üblichen Politskandale, Wirtschaftspleiten und die ganze mordsmäßige Berichterstattung in den Medien zu finden waren. Denn wo blieb die gnädige informationsfreie Auszeit, die uns vor den Nachrichtenstürmen des restlichen Jahres erlöst? Erst wenn Schlagzeilen wie "Mann biss Hund“ oder Reportagen zu wichtigen Lebensfragen ("Hautärzte warnen vor Sonnentattoos“) auftauchen, dann ist die verdiente Sommerflaute da und man kann so entspannt wie Schnappschildkröten im Ziegelteich baden gehen.

Aber jetzt! Ein Sommerlochcomeback aus den 1990er-Jahren: das Krokodil im Fluss! Ein Klassiker, der Land und Leute mobilisiert. Zwei Kinder sehen beim Baden in der Kärntner Drau ein Tier im Wasser und visionieren - weil sie gerne Abenteuerbücher lesen - ein Krokodil. Was sonst sollte dort schon schwimmen? Okay, ein weißer Hai wäre auch möglich, aber der gehört nicht zur europäischen Märchentradition. Und schon geht die "Story“ los: Die Polizei greift ein, und die für gewöhnlich reptilienkundlich exzellent geschulten Beamten erkennen "Spuren von den Füßen und dem Schwanz des Krokodils“ im Ufersand. Eine Expertin tritt auf und steckt einen mitgebrachten Krokodilzahn in irgendein Loch in der Plastiksandale eines der Kinder. Die Art ist damit eindeutig bestimmt: "Afrikanisches Sumpf- oder ein junges Nil-Krokodil“. Das Gratisblatt Heute macht mehr daraus: "Ein Zahn des Reptils blieb bei der Attacke stecken.“ Ab da gibt es das volle Programm: Kameracrews in Hubschraubern, amtliche Badeverbote, Einsatz einer "privaten“ Drohne und eine Soko Kroko, die beherzt und mit besorgtem Mienenspiel in großen Motorbooten auf der Drau kreuzen.

So machen Nachrichten Spaß! Viel langweiliger wäre es, auf der Website des Kärntner Landesfischereiverbands nachzusehen: Dort verweist man stolz darauf, dass in der Drau der Huchen noch ein gutes natürliches Vorkommen hat. Dieser ist für seine kapitale Größe bekannt und wird bis zu eineinhalb Meter groß. Auch die ebenso riesenhaften Welse gibt es in dem Gewässer. Diese Raubfische schnappen gerne nach Enten an der Wasseroberfläche und im Uferbereich. Aber Fischkunde wird zum Glück an den Schulen nicht mehr unterrichtet, sonst wäre es heuer schon ausgestorben, das Sommerloch.

Peter Iwaniewicz glaubt an den Lochgott und ans Sommerloch

iwaniewicz@falter.at

Zeichnung: püribauer.com


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