Kritik

Jetzt in Wien: Breths Salzburger "Homburg“

Lexikon | aus FALTER 35/12 vom 29.08.2012

Das Burgtheater eröffnet die vierte Spielzeit der Direktion Hartmann mit der Wien-Premiere einer Koproduktion mit den Salzburger Festspielen: Heinrich von Kleists letztes Stück "Prinz Friedrich von Homburg“ in einer Inszenierung von Andrea Breth. Das Schauspiel, das in Wien schon sehr lange nicht mehr zu sehen war, gehört zu den eigenartigsten Werken des deutschen Kanons. In einer Mischung aus vorfreudianischem Traumspiel und knallhartem Politdrama verhandelt Kleist den Fall des Prinzen, der in einer Schlacht zwar siegreich agiert, dabei aber einen Befehl missachtet - weshalb er von seinem Onkel, dem Kurfürsten, zum Tod verurteilt wird.

Keine Frage: Das Stück ist ein Fall für Andrea Breth, bekannt als psychologische Feinmechanikerin des Theaters und eine der letzten "Klassikerinnen“ der Branche. Die Inszenierung ist allerdings enttäuschend unentschieden ausgefallen. Schon klar: Der Text ist dieser Regisseurin heilig, allzu wilde szenische Behauptungen sind von ihr nicht zu erwarten. Aber auch auf ihre Art sind ihr schon viel entschiedenere, radikalere Aufführungen als diese gelungen. Breth rafft sich zu keiner Deutung auf, sondern überträgt das Stück - leicht gekürzt und zart ironisiert - einfach buchstabengetreu auf die Bühne. Auf Martin Zehetgrubers Bühne - ein abgebrannter Wald beziehungsweise gleißend weiße Innenräume - spielt August Diehl einen sehr weichen, fast somnambulen Prinzen, während Peter Simonischek den schillernden Kurfürsten als strengen, aber eh gerechten Papa mit Maximilian-Schell-Bart anlegt. Eine etwas schwammige Interpretation, was man von der ganzen, zart ironisierten Inszenierung sagen kann. Die frühe Beginnzeit (18 Uhr!) lässt auf einen langen Abend schließen, aber das täuscht: Die Aufführung dauert zwei Stunden und 20 Minuten, ohne Pause. WK

Burgtheater, Do 18.00


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