Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

aus FALTER 36/12 vom 05.09.2012

Der Umstand, dass auf meinem Computer in letzter Zeit hin und wieder Keith Jarrett läuft (siehe "Erratum“ auf S. 4), bietet so mancher Kollegin und so manchem Kollegen Gelegenheit, mein Zimmer zu betreten und spontane Mutmaßungen über meine sexuelle Orientierung oder andere Vorlieben anzustellen. Ganz generell laufen die Blitzdiagnosen darauf hinaus, dass ich wohl ganz gerne duschen würde, dafür aber kaum in der Lage sei, einen Bären mit bloßen Händen zu töten und mit meinen Zähnen zu häuten.

All das trifft zu - vor allem Letzteres. Und, ja: Ich höre Zivildienermusik. Das ist auch insofern stimmig, als ich in der Tat nicht "gedient“ habe. Ich habe allerdings auch keinen auf "untauglich“ gemacht (wie ungenannt bleiben sollende Kollegen und sämtliche Kolleginnen), sondern älteren Mitbürgern Milchkaffee ausgeschenkt oder Schonkost auf den Teller geklatscht. Das hat mir so manche Traumatisierung sowie das damit einhergehende Schicksal erspart, in einer Politikredaktion anheuern zu müssen, so wie der Naro (siehe S. 10).

Zivildiener sind versatile Burschen, denen die Welt offen steht. Sie können Feuilleton-Fuzzi werden oder auch Verteidigungsminister. Mit dem war ich übrigens im VSStÖ, und manchmal denke ich mir, er würde vielleicht auch lieber Feuilleton-Fuzzi sein. Vor die Wahl "Feuilleton vs. Verteidigung“ gestellt, würde ich mich jedenfalls wieder fürs Feuilleton entscheiden. Man ist dort unter Zivis und darf Jazz hören. In der Politik hingegen herrscht Doom-Metal-Terror. The horror, the horror!

Klaus Nüchtern


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