Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Landaufbruch

aus FALTER 36/12 vom 05.09.2012

Aufregende Zeiten: Serbische Deserteure waren in Wien zu betreuen. In Rostock brannte ein Asylantenheim, der rechte Mob lieferte sich Schlachten mit der Polizei, was Peter Pelinka zum Slogan "Wien darf nicht Rostock werden“ veranlasste.

Auch die EU-Debatte nahm Fahrt auf, unter dem Titel EG-Beitritt. Christoph Hofinger hatte im vorangegangenen Falter darauf hingewiesen, dass durch einen Beitritt das Bruttonationalprodukt Österreichs nicht wachsen würde. Nun riss er eine andere Perspektive auf: "Die ökonomische Herausforderung Österreichs heißt im Augenblick nicht EG, sondern Osteuropa. Langsam beginnt die Öffentlichkeit wahrzunehmen, was die Öffnung der Ostgrenzen für unser Land bedeutet: Auf der einen Seite enormes Wirtschaftswachstum, das den jahrzehntelang vor sich hindümpelnden Osten Österreichs zu einem der dynamischsten und zukunftsträchtigsten Wirtschaftsräume Europas werden lässt, auf der anderen Seite beinharte Konkurrenz durch die weltweit einmalige Kombination von inferioren Löhnen und hervorragender Ausbildung in Ländern wie Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn.“

Und dann war da noch ein fetter Schulschwerpunkt, in dem ein junger Unterrichtsminister namens Rudolf Scholten - salopp gesagt - beteuerte, er halte Noten für Blödsinn. Aber zum Thema Gesamtschule hielt er sich bedeckt. Er wusste, warum: "Der vorsichtige Umgang mit öffentlichen Diskussionen hat nicht zum Hintergrund, dass man sich nicht trauen würde, irgendetwas auszusprechen, es hat zum Hintergrund, dass man dem Thema zuliebe vorsichtig damit umgehen muss.“

Herbert J. Wimmer rezensierte das erste über den Kabarettisten Hermann Leopoldi erschienene Buch. "Wer im Wien der 50er-Jahre aufwuchs, der hat sie noch im Ohr, die unverwechselbare Stimme zum Klavier, die plötzlich im Sound des Wirtschaftswunders fehlte.“ Heute hört man sie wieder öfter, denn sein "Schnucki, ach Schnucki“, die "Powidltatschkerln“ und das "Ringelspiel“ gehören "zu Wien und Österreich wie Hans Moser oder Karl Farkas“. AT


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