Kommentar Demokratiekrise

Die Angst vor dem Wähler ist das Dilemma der modernen Politik

Meinung | Kurt Bayer | aus FALTER 36/12 vom 05.09.2012

Die oft geschmähten Finanzmärkte und ihre Lakaien, die Ratingagenturen, interpretieren jeden Furz eines Politikverantwortlichen mit Zinsaufschlägen, Renditenveränderungen, Kursgewinnen und -verlusten. Jede Sprechblase wird zum Menetekel oder Heilsbringer. Ob das, was gesagt wird, auf Tatsachen beruht, spielt dabei kaum eine Rolle.

Das führt dazu, dass Politiker ihr Wahlvolk nicht mehr aufklären, sondern nur auf die Wirkung ihrer Aussagen schielen. Solange Politikeraussagen riesige Auswirkungen auf die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung haben, kann ihnen dies auch niemand verdenken. Nicht um die Wahrheit geht es, sondern darum, Stimmung zu erzeugen.

Die Medien bringen diese Stimmungsweichmacher, ohne sie zu analysieren und die mögliche Diskrepanz zwischen Fakten und Aussage klarzumachen.

Dass das Wahlvolk den Politikern immer mehr misstraut, wird offenbar als Kollateralschaden hingenommen. Ich erinnere mich an eine Briefing-Session bei einem österreichischen Kanzler mit Spitzenbeamten,


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