Kommentar Sexualstraftäter

Gefängnis statt Fußfessel? Die Frauenministerin irrt

Meinung | aus FALTER 36/12 vom 05.09.2012

nina horaczek

Die Forderung klingt fürs Erste vernünftig: Im ORF-Radio forderte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), dass Sexualstraftäter im Interesse ihrer Opfer generell keine Fußfessel mehr bekommen sollten. Das Gefängnis sei der sicherere Ort.

Heinisch-Hosek irrt. Ihre Forderungen widersprechen den Erkenntnissen von Kriminalsoziologen. Ein generelles Verbot der Fußfessel für Sexualstraftäter gaukelt nur vor, Frauen und Kinder vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Wer den Betroffenen wirklich helfen will, muss dafür sorgen, dass die Täter in ihrem sozialen Umfeld therapiert werden, statt kurzfristig im Knast zu sitzen.

Oft ist das nicht möglich. Wirklich gefährliche Täter werden daher zu Recht weggesperrt. Doch in den meisten Fällen sind Sexualstraftäter ja bestens in die Gesellschaft integriert. Sie haben Jobs, Einkommen, Beziehungen und eine hohe Chance auf Heilung.

Sperrt man sie zur Strafe weg, obwohl Hausarrest auch eine Option wäre, produziert der Staat nur entwurzelte und vom Gefängnis geprägte Menschen, die im schlimmsten Fall ohne ausreichende Therapie unverändert genau dorthin zurückkehren, woher sie ihre Opfer geholt haben: in die Familie.

Verordnet der Staat Sexualstraftätern aber eine Therapie, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Perversion überwinden, hoch. Die Rückfallquote betreuter Täter liegt bei ein paar Prozent.

Reform braucht es woanders: Nicht die Strafe, sondern die professionelle Information der Opfer durch Gerichte gehört verstärkt. Werden Opfer ausreichend über die Strafen ihrer Peiniger unterichtet, fühlen sie sich ernst genommen und akzeptieren auch moderne Formen des Strafvollzugs. F


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