Am Apparat Telefonkolumne

Herr Mahringer, wen trifft die steigende Arbeitslosigkeit?

Politik | aus FALTER 36/12 vom 05.09.2012

Die Arbeitslosigkeit steigt. 232.661 Menschen waren im August arbeitslos. Helmut Mahringer vom Wifo erklärt, wer in der derzeitigen Situation am meisten zu fürchten hat.

Herr Mahringer, die Arbeitslosenquote ist gestiegen und liegt nun bei 6,2 Prozent. Wie bedenklich ist das?

Arbeitslosigkeit ist ökonomisch gesehen eine Vergeudung von Ressourcen. Und für den Einzelnen ist sie oft mit existenziellen Problemen verbunden. Wir stehen also vor einem sozialen Problem, das größer wird. So etwas kann man nicht kleinreden.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist sogar um ein Fünftel gestiegen.

Vorsicht, solche Zahlen sind nicht sehr aussagekräftig, weil sie von vielen Faktoren abhängen, etwa welche Schulungen das AMS gerade durchführt. Ein Problem sehen wir aber in der Tat: Die Arbeitslosigkeit trifft immer wieder dieselben Personengruppen und es gibt Verfestigungstendenzen, dass einige Menschen zwar immer wieder kurzfristig Arbeit finden, aber keine stabile Beschäftigung.

Wen trifft es denn am stärksten?

Offensichtlich die Geringqualifizierten. Deren Chancen werden immer schlechter am Arbeitsmarkt. Wir haben auch zu viele Jugendliche ohne abgeschlossene Ausbildung. Das betrifft beinahe jeden zehnten.

Tun sich nur die Schulabbrecher schwer?

Nicht nur. Auch für Höhergebildete ist der Einstieg schwieriger geworden. Die Jugendlichen wechseln öfter den Job, erleben häufiger zu Beginn ihres Arbeitslebens prekäre Erwerbssituationen. Doch bei den Leuten mit schlechterer Ausbildung verfestigt sich diese Situation häufiger und sie haben dann langfristig Arbeitsmarktprobleme.

Was könnte denn der Staat machen?

Ein guter Start wäre, systematisch die Bildungsabbrecher und Bildungsabbrecherinnen zu erfassen und sie individuell zu unterstützen. Dazu gibt es erste Pilotprojekte, etwa in Vorarlberg. So etwas braucht es flächendeckend.

Interview: Ingrid Brodnig


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