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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 36/12 vom 05.09.2012

Eklatanter Machtüberschuss

Gerecht ist die Welt sowieso nicht, aber was Politik und Kapital unter dem Schlagwort Neoliberalismus veranstalten, darüber beschwert sich das vorliegende Buch "Solidarity“. Dem Autor Romano Rey geht es weniger um eine Revolution, er fordert eine grundlegende Neubestimmung des Verhältnisses zwischen Staat und Wirtschaft und eine Revitalisierung der sozialen Marktwirtschaft.

Wesentliches Element wäre für Rey eine höhere Besteuerung der großen Vermögen, nicht allein aus wirtschaftlichen und Gerechtigkeitserwägungen, sondern auch um den eklatanten Machtüberschuss der besitzenden Schichten gegenüber der Politik und dem Rest der Gesellschaft wieder auf ein vernünftiges Maß zurechtzustutzen. Ein gutes Übersichtswerk.

Philip hautmann

Romano Rey: Solidarity. Entwürfe zu einer gerechten Gesellschaft. VSA, 325 S., € 24,80

Bücher gegen das Vergessen

Nationalsozialistische Verfolgung, der Widerstand dagegen und die Auseinandersetzung mit Diskriminierung nach 1945 prägen zahlreiche literarische Erinnerungen von Slowenen in Kärnten. Die Literatur- und Politikwissenschaftlerin Judith Goetz untersucht kärntnerslowenische Erinnerungsliteratur und damit verbundene Strategien gegen das Vergessen.

Die publizierten, jedoch meist wenig wahrgenommenen Autobiografien stellen dabei, schreibt die Autorin, eine Form der Verarbeitung eigener Erfahrungen sowie gleichzeitig der Erinnerung dar. Die sorgfältige historische und gesellschaftspolitische Einbettung der Thematik verdeutlicht die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit Vergangenheit angesichts des "doppelten Kärntner Abwehrkampfes“ gegen die slowenische Minderheit und der Erinnerung an NS-Verbrechen.

Matthias Falter

Judith Goetz: Bücher gegen das Vergessen. Kärntnerslowenische Literatur über Widerstand und Verfolgung. Kitab, 247 S., € 18


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