Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 36/12 vom 05.09.2012

Es gibt Leute, die weiterschalten, wenn sie sehen, es ist ein "Arte-Film“. Unlängst habe ich im Kino einen Film gesehen, der wohl dem entspricht, was Arthouse-Muffel unter so einem Film verstehen. Die Balken biegen sich in "Holy Motors“ von Leos Carax unter bleischwerer Symbolik. Jede Szene ist ein Zitat der Kinogeschichte, die durch die neuen Medien bedroht ist. Die gruseligen Monster der Expressionisten verflüchtigen sich in den digitalen Trickfilmstudios. Die Natur kommt nur als Monitorbild vor, die Liebe als Aufnahme der Überwachungskamera. Ciao, Cinecittà! Die Protagonisten wechseln die Rollen, als wäre das Leben ein einziges Theater. Menschen, Masken, oh weh! Und die geringe Dosierung Humor, typisch Arte-Film. "Bevor es Mitternacht wird, müssen wir einmal gelacht haben!“, sagt die Protagonistin.

Auch wenn ich ein fleißiger Arte-Konsument bin, weiß ich genau, dass ich weiterknipsen werde, wenn "Holy Motors“ ins Fernsehen kommt. F


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