Doctor ineffabilis, Magister optimus

Feuilleton | Nachruf: Reinhard Pitsch | aus FALTER 36/12 vom 05.09.2012

Der Wiener Philosoph Michael Benedikt brachte Frischluft in die Hörsäle. Mit seinem Tod geht eine Epoche zu Ende

An der Pariser Universität rechtfertigte Mitte des 13. Jahrhunderts Thomas von Aquin die Lehrtätigkeit der Bettelorden: Lehren bedeute, Almosen zu geben.

Als ich nach einem Semester in Westberlin 1974 nach Wien zurückkehrte, gingen alle "zum Benedikt“, damals Dozent. In verstaubten (und von uns Studenten verrauchten) Hörsälen verteilte er wöchentlich Dutzende hektografierte Seiten mit Stellen aus dem Werk von Aristoteles, Kant, Fichte, Hegel, Marx, Adorno, Marcuse, Wilhelm Reich, Sohn-Rethel und anderen. Er erläuterte deren gegenseitigen Bezug, versuchte alle Fragen zu beantworten.

Benedikt kannte alles. Durch ihn kam unverstaubtes, lebendiges, keine Autorität a priori akzeptierendes Denken nach Wien. Inakzeptabel war ihm Irrationalismus (Heidegger, Nietzsche) und Beliebigkeit. Argumentieren durfte man alles, meinen nur begründet, glauben nur mit Gründen.

Die damalige


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