Des neue Album der Pet Shop Boys erzählt vom Älterwerden: "Unsere Liebe ist tot, aber die Toten verschwinden nicht“

Feuilleton | aus FALTER 36/12 vom 05.09.2012

Auf ihrem letzten Album "Yes“ hatten Neil Tennant und Chris Lowe mit Unterstützung durch das britische Produzententeam Xenomania noch einmal versucht, radio- und chartstaugliche Musik zu machen. So unterhaltsam das Album auch war, dieses Ziel haben die Pet Shop Boys verfehlt.

In Los Angeles nun, dem Mekka der Unterhaltungsindustrie und ewigen Jugend, haben die beiden Synthiepopper jetzt mit "Elysium“ ein anrührend-realistisches und für ihre Verhältnisse sehr organisches Album über das Älterwerden und Abschiednehmen aufgenommen. Fans werden es mit "Behaviour“ vergleichen.

Der Opener "Leaving“ erzählt davon, dass Neil Tennant von seinem Boyfriend verlassen wurde: "Our love is dead / But the dead don’t go away / They made us what we are / They’re with us every day.“

Gleich darauf geht es mit "Invisible“ noch tiefer hinab, und dennoch zieht einen der Song nicht runter. Tennant besingt darauf den Umstand, dass Herren in seinem Alter unsichtbar sind, auch wenn sie einmal Popstars waren.

Dem Duo gelingt es sehr schön, die Balance zwischen schweren Inhalten und angenehm leichter, zart souliger Electro-Musik zu halten. Selbst wenn es selbstbezogen wird, büßt das Material nicht an Qualität ein. "Face Like That“ ist eine Mischung aus "Love Comes Quickly“ und "Domino Dancing“. "Your Early Stuff“ wiederum ist aus Vorwürfen zusammengesetzt, die man als altgedienter Act öfters an den Kopf geworfen bekommt ("Those old videos / Look pretty funny / Say, what’s in it for you now / Need the money?“). "Winner“ schließlich, eine für Stadien konzipierte Hymne und als solche an sich ein Fremdkörper auf "Elysium“, entpuppt sich bei genauerem Hören als ein Song über die Flüchtigkeit des Erfolgs - und fügt sich damit sehr gut in das Gesamtkonzept ein.

Sebastian Fasthuber


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige