Doris Knecht Selbstversuch

Aber ab jetzt wird alles ganz anders

Kolumnen | aus FALTER 36/12 vom 05.09.2012

Jeder glaubt immer, das Leben auf dem Land sei gesund. Irrtum. Also, es könnte natürlich. Die Horwathin, zum Beispiel, geht jetzt immer laufen. Ich, zum Beispiel, nicht. Ich habe mir den wunderbaren Wald und die herrlichen Wiesen den ganzen Sommer hindurch von der Veranda aus angeschaut, mit einer Katze auf dem Schoß und, wenn es die Tageszeit empfahl, mit einem Glas Spritzwein in der Hand. War angenehm. Erholsam auch, und man hat sich das ja irgendwie schon verdient, oder? Und am letzten Tag auf dem Land hat man dann noch einen schönen, langen Spaziergang in den Wald hinein gemacht, zum Schauen, ob er innen eh auch so idyllisch ist, wie er von außen aussah. War er.

Unglücklicherweise macht so ein fauler, gemütlicher Sommer dann einen sehr anstrengenden, zerquälten Herbst, und man muss leider passen, wenn einem die Freundinnen am Telefon erzählen, wie es ihnen im Kundalini-Camp und im Aktivurlaub die Kilos und die Schlacken nur so heruntergerissen hat, und fragen, ob man vielleicht spontan Lust hätte, mit ihnen einen darauf zu heben. Hätte man eh, bedauerlicherweise muss man selber die neue Saison nach dem gesunden Landsommer mit einer unabwendbaren kleinen Entgiftungsphase beginnen, verbunden mit strengem Käswurstbrotentzug und den allerbesten Vorsätzen fürs neue Semester. Und für alle folgenden. Ab jetzt nämlich!

Ab jetzt macht man es anders, fängt nicht immer etwas an und lässt es dann wieder sein, aus lauter restlos plausiblen Gründen und weil man wieder einmal den Arsch nicht hochgekriegt hat, und dann noch einmal nicht und dann endgültig. Diesmal beißt man sich hinein, bis es einem Spaß macht, und bleibt dann dabei! Bissl mehr Ehrgeiz, Konsequenz und Zielbewusstsein jetzt! So, wie man es schließlich auch von den Mimis verlangt, du hast das angefangen, meine Liebe, du wolltest das unbedingt, also. Das wird jetzt durchgezogen. Man ist schließlich erwachsen; genauso erwachsen wie die Freundinnen, die im Unterschied zu einem selbst schon vor Minimum zehn Jahren für sich eine Life-Work-Sport-Balance gefunden haben, die ihnen ein praktisch konstantes inneres Wohlbefinden verschafft, das sie äußerlich ebenso konstant leuchten lässt. Es leuchtet sich natürlich auch leichter, wenn man sich nicht permanent über eingelaufene Jeans giften oder sich von mageren Schwestern ungebeten erklären lassen muss, dass es, nichts für ungut, vielleicht besser wäre, die Finger vom Weißbrot zu lassen.

Ja. Also. Ich will dieses Leuchten jetzt auch. Ich bin jetzt bereit dafür; ich werde jetzt auch bald leuchten. Und das Leuchten wird auch auf dem Land draußen zu sehen sein und einen Lichtstreifen auf den Wald vor der Veranda werfen, und er wird mir zurufen: Schmeiß die Katze runter, wirf den Spritzer weg, streif deine schlechten Gewohnheiten ab und lauf in mir! Und ich werde rufen: Ja. So wird es sein: jetzt und dann und immerdar. F


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