Kunst  Kritik

Der Lack ist ab: der Maler Franz Zadrazil

Lexikon | aus FALTER 36/12 vom 05.09.2012

Der Wiener Maler Franz Zadrazil (1942-2005) erreichte mit seinen fotorealistischen Ansichten von Häuserfassaden in den 1980er-Jahren eine gewisse Popularität. Wie andere Kollegen der nachabstrakten Malerei geriet er in Vergessenheit, als sich die Galerienszene nach der Kunstmarktkrise Anfang der 1990er-Jahre neu ordnete. Für einen diskursarmen Leinwandstilisten war im eher international und konzeptuell ausgerichteten Programm der neuen Galerien und Kunsträume kein Platz mehr. Verdienstvollerweise wagt sich nun das Essl Museum in "Wien Paris New York“ an das solitäre Werk Zadrazils heran, der bereits einige Jahre als Postbeamter hinter sich hatte, ehe er eine akademische Ausbildung beim fantastischen Realisten Rudolf Hausner begann.

Zu sehen sind Bilder wie "Filmcasino“, das die im geschwungenen Stil der 1950er-Jahre gehaltene Fassade eines Kinos darstellt. Verwischte Schablonenbilder, zerkratzte und verschmierte Wandstücke sind Zadrazils Spezialität; da beginnt der Pinsel zu wirbeln, unabhängig von den Ähnlichkeitszwängen der Sujets. Aus seiner Begeisterung für Trompe-l‘œil-Effekte, dem Spiel zwischen Illusionismus und Medialität mithin, machte er keinen Hehl. Die Verwendung von Holzplatten als Bildgrund betont die Nähe zur Schilder- und Kulissenmalerei. Untersichten und dezentrierte Bildausschnitte lassen darauf schließen, dass es dem Künstler weniger um bestimmte Themen, sondern um formale Elemente wie Grundlinien und Farbflächen ging. Zadrazil machte auf seinen Spaziergängen durch die Metropolen Schwarzweißfotos und wählte die Farben erst bei der Ausführung der Ölbilder. Die großen Bildformate verhindern, dass das den Bildern innewohnende Nostalgische ins Souvenirhafte kippt. Diese Malerei beschränkt sich auf einen Effekt, aber diesen beherrscht sie gut. MD


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige