Film  Neu im Kino

Wer wirft Aliens aus dem Kaufhaus? "The Watch“

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 36/12 vom 05.09.2012

Was wohl da draußen vor sich geht, fragt sich zu Beginn Evan (Ben Stiller), während die Kamera aus dem Weltall in seine geliebte Kleinstadt hernieder fährt. Um das Idyll vor den Zumutungen des Außen zu schützen, gründet der Musterbürger nach einem mysteriösen Mordfall eine Nachbarschaftswache. Komplettiert wird "The Watch“ durch Familienvater Vince Vaughn, Waffennarr Jonah Hill und Sonderling Richard Ayoade. Für xenophobes Ressentiment ist die Freiwilligentruppe nicht empfänglich, in ihrem Engagement lässt der Film trotzdem reichlich Beunruhigendes durchklingen. (Schönste Dialogzeile: "My tears have turned to fists.“)

Weil sich Akiva Schaffers Komödie mehr für giftgrünen Schleim und Monsteraction interessiert als für den Trott nächtlicher Observationen, kommt die Vierergruppe bald einer außerirdischen Invasion auf die Schliche. Das hat ein paar groteske Paranoiamomente zur Folge, ansonsten mangelt es dem Zusammenspiel der Komikerrunde an zündendem Material. Auch bei mancher toll angelegten Nebenpartie (Billy Crudup als unheimlicher Nachbar!) wäre mehr gegangen.

Die Eröffnungsfahrt auf den Erdball zu erinnert nicht von ungefähr an Joe Dantes Überwachungsgroteske "The ’Burbs“ ("Meine teuflischen Nachbarn“, 1989). Aber wo Dantes Film die Befürchtungen seiner Vorstädter auflaufen ließ oder sarkastisch übererfüllte, kommt "The Watch“ den Ängsten seiner Protagonisten (vor unsichtbarer Bedrohung, aber auch um die Jungfräulichkeit der Teenagertochter) auf halbem Weg entgegen. Liberale Inklusivität endet, wo sich Mittelklasse-Männlichkeit bedroht fühlt. Das Finale findet im Großhandelskaufhaus statt. Dort lautet die Zutrittspolitik nämlich: members only.

Ab Fr im Kino (OF im Artis und Village)


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