Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Die Redaktion erklärt sich selbst

Zum 70er haben wir Bob Dylan im Mai letzten Jahres ein siebenseitiges Special gewidmet. Als Dank dafür ziert sein aktuelles Album (siehe Seite 27) nun ein Wien-Motiv. Also das mit dem Wien-Motiv stimmt jedenfalls. Das Cover, das im übrigen aussieht, als hätte es der Azubi in der Grafikabteilung in zehn Minuten zusammengeschustert, zeigt eine allegorische Darstellung der Moldau in Theophil Hansens Pallas-Athene-Brunnen vor dem Parlament. Was uns das sagen soll? Hatte Dylan doch böhmische Vorfahren? Ist es eine versteckte Anspielung auf Kafka? Ein Anagramm womöglich? Aus "Moldau“ und "Wien“ lässt sich immerhin der Satz "O, wein du mal!“ oder das Wort "Wuldomanie“ bilden - abgeleitet vom lateinischen Verb "vuldare“, was so viel bedeutet wie "Dinge gewaltsam durch die Eierharfe pressen, die nur eine äußerst geringe Ähnlichkeit mit einem hartgekochten Ei haben“. Warum nur wird diese wunderbar ökonomische Sprache heute nicht mehr gesprochen?

Dylan und der Falter haben übrigens etwas gemeinsam: beide haben Rücken. "Tempest“ ist erst bei Strophe Nummer 17 (von 45) angelangt, da kommt Florian Klenk in mein Zimmer. Er geht wie ein Ägypter - der Nacken! - und beschwert sich darüber, dass "Obertöne“ durch die Pappwand drängen: Er könne so nicht schreiben. Aus Gründen der Empathie - die Lendenwirbel! - drehe ich tatsächlich leiser, während draußen die Neigungsgruppe Rückenyoga die Wirbelsäule lang macht und zwei Zimmer weiter der Hund von Birgit Wittstock anschlägt. Er jedenfalls scheint Dylan zu mögen.


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