Vor 20 Jahren im Falter  Wie wir wurden, was wir waren

Weisheiten

Falter & Meinung | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Adolf verkauft immer, dachte sich die Redaktion Ende August 1992. Der Anlass war bedenklich: Bei den ausländerfeindlichen Krawallen im deutschen Rostock hatten sich auch österreichische Neonazis hervorgetan. "Exportschlager: Nazis“, lautete der griffige Titel.

In Wien standen neue Personen auf der Agenda. Bernhard Görg für die ÖVP. "Der falsche Mann zur falschen Zeit“, urteilte Peter Pelinka einigermaßen mitleidlos, aber, wie die Geschichte zeigte, nicht ganz falsch. Eine Seite weiter interviewte Thomas Vašek den Umweltstadtrat der SPÖ. Er war dafür, das Amt des Parteiobmanns und des Bürgermeisters zu trennen (das kam ein bisschen anders), aber er analysierte die Lage recht scharf. Auf die Frage, welchen Fehler die SPÖ gemacht habe, sagte er: "Einen einzigen: Politische Unaufmerksamkeit. Wir haben die Ängste der Menschen viel zu spät erkannt und zu spät auf die Fragen Ausländer und Sicherheit reagiert. Dafür haben wir bezahlt.“ Auf die Frage, was er von einem Bürgermeister Häupl hielte, antwortete er folgendermaßen: "Na gehn S’ (mustert skeptisch seine Statur). Schaut so a Buagamasta aus?“

Im Kulturteil berichtet Gabriele Petricek über die Stromlinie, die in einer Ausstellung in Zürich gefeiert wurde. Und Wolfgang Zinggl interviewte den "Bildhauer und Texter“ Heinz Frank, dessen wunderbare Absurditäten keinen Hauch von ihrer Weisheit und philosophischen Frische verloren haben. Seine Werke (darunter ein Ofen aus Holz) wurden im Mak ausgestellt. Über einen Stein sagte er: "Ich kann einen Stein so lange polieren, bis er weg ist. Dadurch ist er innen auch poliert.“ Oder: "Meine Texte:, Ein Wesen, halb Mensch, halb Hälfte.‘ Für diesen Text müssen Sie ein Gefühl entwickeln, der ist nur halb gedacht. Oder:, Der Mensch ist in seiner eigenen Weisheit verschollen.‘ Warum die Skulptur dann so aussieht, wie sie aussieht, kann ich nicht sagen. Sie könnte auch ganz anders aussehen. Die wesentlichen Texte wären ohnedies mit einem leeren Blatt Papier am besten illustriert. Ein Loch wird am besten mit einem Loch illustriert.“ AT


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige