Am Apparat  Telefonkolumne

Herr Gusenbauer, wofür bekamen Sie 18.000 Euro?

Politik | Interview: Ingrid Brodnig | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Alfred Gusenbauer erhielt 18.000 Euro für einen Vortrag im Jahr 2009 bei der Hypo-Alpe-Adria. Der ehemalige rote Bundeskanzler erklärt, warum das sogar ein Billigtarif ist.

Herr Gusenbauer, wir würden Ihnen gerne zwei, drei Fragen zum Vortrag bei der Hypo-Alpe-Adria stellen.

Was ist daran aktuell? Das wurde doch schon vor zwei Jahren berichtet.

Ja, aber News hat das wieder aufgegriffen. Und es ist schon interessant, welche Honorare Ex-Regierungschefs verlangen.

Ich wusste nicht, dass der Falter News nachhoppelt. Aber die Vortragshonorare von ehemaligen Regierungschefs sind international bekannt.

Wirklich? Was verlangt denn jemand wie Gerhard Schröder, der ehemalige deutsche Bundeskanzler?

Ich schätze, dass Sie den Schröder nicht unter hundert bekommen.

Sie meinen 100.000 Euro?

Ja.

Sind 18.000 Euro für Sie ganz normal?

Ich verlange 15.000 Euro plus Mehrwertsteuer. Circa 3.000 Euro gehen gleich an die Republik. Der Rest ist zur Hälfte Steuern. Wenn ich bei Non-Profit-Organisationen, sozialen oder karitativen Vereinen refererie, verlange ich nichts. Nur wenn mich jemand aus der Privatwirtschaft einlädt, gibt es ein marktübliches Honorar.

Und worüber haben Sie damals geredet?

Über Europas Antwort auf die Finanzkrise.

Warum ist es Firmen so viel wert, Ex-Regierungschefs zuzuhören?

Das müssen sie die fragen. Aber in der Marktwirtschaft werden Preise ja generell nicht nach Entstehungskosten berechnet, sondern nach Marktbedingungen. Das ist so üblich, das ist fair, und außerdem halte ich viele kostenlose Vorträge. Wo ist Ihr Problem?

Na ja, die normale Bevölkerung staunt schon angesichts dieser Honorare.

Die normale Bevölkerung kann zu meinen kostenlosen Vorträgen gehen.


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