Wir sind alle Afghanen

Politik | Analyse: Sibylle Hamann | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Wehrpflicht und Berufsheer beruhen auf unterschiedlichen Philosophien und Notwendigkeiten. Die österreichische Debatte hingegen beruht bloß auf Scheinheiligkeit

Menschheitsgeschichtlich gesehen ist der wehrpolitische Normalfall das Modell Afghanistan. Er funktioniert so: Ein Fürst hat Lust auf mehr Land, mehr Macht, mehr Untertanen und zieht deshalb in den Krieg. Dafür braucht er Soldaten. Einen Soldaten engagiert er, indem er ihm ein Gewehr gibt, ein Paar feste Schuhe und täglich eine Mahlzeit. Je nachdem, wie groß die Not im Land ist, muss er täglich noch einen größeren oder kleineren Geldbetrag drauflegen, den Sold. Ein Soldat kämpft für den, der ihn bezahlt. Es ist ein Job.

Was in Afghanistan heute noch Realität ist, unterscheidet sich im Prinzip nicht von modernen Berufsheeren. Hier wie dort wählt der Oberbefehlshaber seine Soldaten nach Qualifikation aus; er will eine Truppe, die eine klar umrissene Aufgabe ausführt. Und er beschäftigt stets nur so viele, wie er tatsächlich


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