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Politik | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Bücher, kurz besprochen

Verschwendet mehr Wasser!

Wir trennen unseren Müll, fahren mit dem Rad und drehen beim Zähneputzen das Wasser ab - aber bringt all das überhaupt etwas? Nein, behauptet der Spiegel-Wirtschaftsredakteur Alexander Neubacher. Unsere Ängste vor den Folgen von Umweltverschmutzung und Klimawandel seien übertrieben, die Maßnahmen dagegen ineffizient und oft sogar kontraproduktiv.

Einige von Neubachers Behauptungen - dass etwa Biosprit der Umwelt mehr schadet als nützt - sind mittlerweile allgemein bekannt; dass er aber den größten Teil aller existierenden Umweltschutzmaßnahmen als unsinnig abtut, sich nicht davor scheut, Äpfel mit Biobirnen zu vergleichen, und seine Gegner als "Ökokraten“, "Kohlrabi-Apostel“ und "Grüne Khmer“ bezeichnet, schadet der Glaubwürdigkeit seiner Argumente.

Ruth Eisenreich

Alexander Neubacher: Ökofimmel. Wie wir versuchen, die Welt zu retten - und was wir damit anrichten. Deutsche Verlags-Anstalt, 272 S., € 20,60

Der Vordenker der Fußfessel

In der jüngsten Debatte über die elektronische Fußfessel geht es nicht nur um einen schlimmen Einzelfall, sondern auch um den humanen Strafvollzug an sich. Er scheint in Vergessenheit zu geraten, so wie sein größter Fürsprecher, der Justizreformer Christian Broda. Aus Anlass des 25. Todestages des Justizministers der Ära Kreisky hat der SPÖ-Klub nun eine kleine Festschrift herausgegeben. Ein exzellenter Überblick des ehemaligen Broda-Mitarbeiters und Justizsektionschefs Roland Miklau macht die Lektüre zum Gewinn. Dass dem SPÖ-Justizsprecher sowie dem Bundespräsidenten und der Parlamentspräsidentin außer Phrasen und Erinnerungen nicht viel eingefallen ist, ist ein Wermutstropfen, aber auch ein trauriges Zeichen, dass linke Justizpolitik momentan einfach nur als Gedenkevent präsent ist.

Florian Klenk

SPÖ-Klub: Christian Broda. Gedenken und Ausblick. ÖGB-Verlag, 68 S., € 23,90


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