Enthusiasmuskolumne  Diesmal: der beste Koboldcakewalk der Welt der Woche

Feen, die über Spinnweben tänzeln

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Am 22. August 1862 wurde Claude Debussy im französischen Saint-Germain-en-Laye geboren. Zum 150. Geburtstag des Komponisten hat Pierre-Laurent Aimard die Préludes für Klavier (Deutsche Grammophon) eingespielt. Wie kein anderer verstand es Debussy, die Sprache der Natur, der Bilder und der Poesie zum Klingen zu bringen.

In seinen Préludes ließ er sich von Gedichten, Zeichnungen und Postkarten inspirieren und kombinierte kühne Harmonien mit Anklängen aus dem Ragtime-Jazz oder der südostasiatischen Gamelan-Musik. Pierre-Laurent Aimard gestaltet in den 24 Stimmungsbildern Momente mit Musik von höchster Eleganz, kleine Kostbarkeiten, extrem delikat, extrem intim und immer ein bisschen mysteriös. Debussys Préludes sind voller Geheimnisse und Anspielungen: das Rauschen des Meeres, der Wind in den Blättern, die Spuren im Schnee, ein Vogelruf.

Mal sind sie verträumt wie "Das Mädchen mit dem flachsfarbenen Haar“, mal schwebt zarte Ironie über den Noten, wie beim exzentrischen "General Lavine“, den Debussy im Stil eines amerikanischen Tanzes, dem Cakewalk, komponierte. Auf seiner CD bringt Aimard selbst die feinsten Nuancen zum Klingen. Leichtfüßig lässt er die Feen über Spinnwebenfäden tänzeln ("Feen sind vorzügliche Tänzerinnen“), als seien sie mühelos dahingetupft, dann treibt wieder ein frecher Kobold sein Unwesen ("Tanz des Puck“). Imposant taucht "Die versunkene Kathedrale“ mit Glockengeläut und Orgelklang aus den Wellen, um schließlich wieder im Meer zu versinken.

Zum Geheimnis dieser Musik gehört das Unfassbare, sagt Pierre-Laurent Aimard. "Sie lässt sich nicht kontrollieren oder gar besitzen. Man kann sie nur irgendwie auf sich zukommen lassen.“


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