Nicht einmal die Musik spendet Trost, und mit Religion hat "Amour“ ohnedies nichts am Hut

Feuilleton | Michael Omasta | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

:: "Können wir nicht von etwas anderem reden?“, fragt Georges seine Tochter gereizt. "Von was denn?“, blafft Eva zurück. Es sind Hilflosigkeit und schlechtes Gewissen, die sich hier empören.

"Amour“ ist die Geschichte von Anne und Georges, eines hochkultivierten Ehepaares um die 80. Schauplatz ist eine großräumige Wohnung irgendwo in Paris, mit Regalen voller Bücher und CDs, einem Flügel im Salon, einer Reihe von Landschaftsgemälden und einem ausgebleichten Gobelin an der Wand.

Eines Morgens beim Frühstück macht Anne einen völlig weggetretenen Eindruck. Ein leichter Schlaganfall, mit dem die alltägliche Routine im Leben des Ehepaares allerdings immer stärker ins Rutschen gerät. Anfänglich wirkt es noch wie ein Tanz, wenn Anne sich von Georges aus dem Rollstuhl helfen lässt; wenn er seine Knie gegen die ihren presst, sie hochzieht, ein paar kleine Schritte mit ihr macht, links, links, links, und sie in den bequemen Fauteuil sinken lässt. Doch dabei bleibt es natürlich


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