Stadtrand Urbanismuskolumne

Protest mit Perlenkette

Stadtleben | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Die Protestkultur im Wandel der Zeit: Sicher hat darüber auch schon jemand eine Diplomarbeit geschrieben. Sich an Bäume ketten, Freiraum mit Musik beschallen, Parks und Häuser besetzen, der ganze urbane Straßen- und Gartenguerillakampf hat sich in letzter Zeit verändert. Protest ist jetzt offenbar bürgerlich - raus aus den Salons, rein in die Stadt. Ganz toll.

Niemand bombardiert heute mehr Baulücken mit Samenbomben. Heute unterstützt die Stadt Anrainer sogar beim Baumscheibenbegrünen. Medienwirksam kettete sich kürzlich die konservative Vorsteherin der Wiener Innenstadt mittels Fahrradschloss an einen Alleebaum, der gefällt werden soll. Das nächste Mal aber schon stilvoller mit Perlenkette! In der Josefstadt kämpft man kommendes Wochenende mit klassischer Musik für die Verkehrsberuhigung der Langen Gasse - aber natürlich findet die kleine Protest-Soiree am späten Sonntagnachmittag statt. Falls man dazu Tee und Torte auf feinem Porzellan serviert: Besser nicht mit Würfelzucker werfen! Oder ist das am Ende das neue Steineschmeißen?

Christopher Wurmdobler findet Gefallen an der neuen Protestkultur mit Stil


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