Urbanes Betragen

Stadtleben | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Benimmfibel für Großstadtmenschen (81)

Herr A. fühlt sich unwohl, wenn er etwa einer Kellnerin höflichkeitshalber zum Abschied einen schönen Tag wünscht, obwohl er insgeheim meint, dass ihr kein schöner Tag bevorsteht. Ist das angebracht?, möchte er wissen.

Werter Herr A., Sie leiden offenbar an emotionaler Wohlstandsverwahrlosung! Wie sonst kämen Sie zu der Annahme, dass eine Kellnerin bloß aufgrund ihrer Tätigkeit vom Erleben schöner Tage ausgenommen wäre? Ist der schöne Tag nur für die reserviert, die "irgendwas mit Medien“ machen, eine Boutique für maßgeschneiderte Hundemode besitzen oder karenzierte Jungpapas sind? Es gibt tatsächlich auch Leute, die beim Popo-Auswischen alter Menschen, beim händischen Sortieren fremden Mülls oder beim Herausspulen anderer Leute Hühneraugen schöne Tage haben. Bleiben Sie lieber unhöflich ehrlich, dann brauchen Sie sich nicht unwohl zu fühlen!

Noch Fragen? stadtleben@falter.at


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