Prost!  Lexikon der Getränke. Diese Woche: Dirndl-Sirup

Obst darf nicht nach Roter Rübe schmecken

Stadtleben | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Die Dirndl ist eine identitätsstiftende Regionalfrucht aus dem Pielachtal. Fast alles, was mit Obst gefüllt, versetzt und erweitert werden kann, wird hier gemacht. Von Schokolade, Honig, Chutney angefangen bis hin zu Schnaps, Likör und Sirup. Bei Kürbiskern und Hanf gibt es einen ähnlichen Verwertungsexzess, der ja an sich gutzuheißen ist, weil es von Geschäftstüchtigkeit zeugt.

Bei Spaziergängen wird man zurzeit auch in Wien der Dirndl - korrekt: Kornelkirsche - gewahr. Schön ist sie anzuschauen: eine ellipsoide Frucht in kräftigem Rot. Sie wurde angeblich in früheren Zeiten als Färbemittel verwendet. Und gesund ist sie, weil sie einen hohen Vitamin-C-Gehalt aufweist. Aber gerade bei solchen Allroundern muss man skeptisch sein. Es gibt zwar die sogenannten Tausendsassas, aber das trifft eben nicht auf alle zu.

So wurde ein aus Dirndln erzeugter Sirup verkostet. Und wirklich wahr: Ein Sirup, der zwar süß, aber erdig nach Roter Rübe schmeckt, nein, das kann man sich nicht schöntrinken. Die Rote Rübe in Ehren, als Gemüse, wohlgemerkt. Da hilft auch kein ausgefuchstes Marketing, um die Dirndl salonfähig zu machen. Ribiseln und Weichseln sind geschmacklich eindeutig die interessanteren Früchte, um Sirup zu erzeugen. Und wer sich noch immer keine Sodamaschine zugelegt hat und weiterhin Mineralwasser nach Hause schleppt, der hat zumindest einen Vorteil: Sirup schmeckt mit Mineralwasser, wie zum Beispiel dem Kärntner Preblauer, eindeutig basischer und weicher. ms


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