Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Sprengt die Fussfesseln der Kultur!

Steiermark | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Bis vor kurzem war der Kunst- und Medientheoretiker Peter Weibel - er leitet heute das ZKM in Karlsruhe - Chefkurator der Grazer Neuen Galerie. Letzte Woche hat er im Standard ausführlich zu einem Thema Stellung genommen, das derzeit heiß diskutiert wird: zum überwachten Hausarrest für Straftäter. Er verfasste ein "Plädoyer für die Fußfessel“. Seine Argumentation ist hier Nebensache.

Weibel war und ist einer, der zu allem etwas zu sagen hat, mag sein mitunter zu viel. Aber spielen wir folgendes Gedankenspiel: Können Sie sich vorstellen, dass der Intendant des Universalmuseums Joanneum, Peter Pakesch - er war Weibels Gegenspieler in Graz - seine Haltung zur Fußfessel öffentlich kundtut? Eher schwer. Nicht selten beschweren sich Kulturverantwortliche zu Recht, dass dem künstlerischen Tun und Treiben zu wenig Interesse entgegengebracht wird, nicht nur in budgetärer Hinsicht. Klar haben die Intendanten und Festivalmacher in erster Linie Programme zu machen. Aber sie verfügen auch über eine öffentliche Stimme, die sie ja vielleicht mal ganz anders, prosaischer, nützen könnten. Nicht nur der Aufmerksamkeit wegen.

Es wäre interessant, wie Nikolaus Harnoncourt das Ampel-Ensemble der Stadt dirigieren würde, über Taktgefühl verfügt er ja. Der steirische herbst steht vor der Tür, sicher könnte Intendantin Veronica Kaup-Hasler Schlaues zum Sperrstundenzwist im Uni-Viertel sagen, das Festival plagt sich jedes Jahr mit den Reglements im öffentlichen Raum. Gut, es gibt Experten. Aber die Kunst ist dafür bekannt, stets ungewöhnliche Akzente im Eingefahrenen zu setzen. Warum nicht hin und wieder in einer anderen Sprache auf neuer Frequenz senden?

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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