Phettbergs Predigtdienst

Ichkunden der anwesenden Iche

Kolumnen | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Schulbeginn in Wien. Dies gestioniere ich für mich, da ich irgendwie meine Schuljahre durchmache, es dürfte mein 55. Schuljahr sein, das heute beginnt. NAC-HI hat mir eine Portion des Mittagessens seiner Familie (rote Linsen) mitgebracht. Wenn ich in Familien, die ich jetzt als Nothelfys bezeichne, aufgewachsen wäre, wäre ich schon lange "besser“ erzogen, aber es wär "nichts“ aus mir geworden. Nur wenn du wild aufwachsen kannst, wird etwas aus dir.

Mein wichtigstes Foto ist das, das den alten Saustall des Hauses meines Halbbruders vor dem Umbau zeigt, in diesem Saustall waren viele junge Nutscha (Ferkel) und die Windisch-Oma. Gott sei Dank durfte ich dann im Schlafzimmer meiner Eltern nächtigen, musste also nicht im Saustall schlafen. Vor allem sollen sich’s die Kinder einrichten können, wie sie sich wohlfühlen. Die Kinder sollen Dirigenten ihres GEMÜTS zu sein vermögen. Ich kann nur jubeln, dass meine Eltern mich dies tun ließen bzw. tun lassen mussten. Daneben gibt es den Stadel, erbaut 1890, worin ich mich herumtrollen konnte, bis ich in die Schule gehen musste. Dann traten alle Gesetze, wie das Reich der Psychologie es gebietet, ein. Und was soll ich tun? Nun bin ich zufrieden.

Heute bin ich zum ersten Mal in der voll mit Volksschülys besetzten Ägidikirche auf meinem Rollator gesessen. Eine Frau hielt den Gottesdienst, ich musste wieder weinen, als sie "Wir sind nicht allein“ sangen. So viele Seelen (= Ichkunden der anwesenden Iche) voll mit besetzten Vorsätzen hab ich noch nie wahrgenommen und weine über meine Scheiterungen, fast hörbar, trotz der Cipralex 10 mg. Vor Cipralex brauchte nur eine Harmonie erklingen und ich heulte wie ein Schlosshund. Gumpendorf ist meine Heimat. Oh Gotty, lass mich lange in meiner Wohnung walten!

Herr Barte hat mir heute heimgeholfen, ich habe meinen Sachwalter angerufen, dass ich dringend kein Geld mehr habe.

Nun egal, ob Gotty existiert oder nicht, das Märchen ist zu schön. Voller Fünf- bis Zehnjährigys und voller Hoffnungen der Eltern hat das Kirchengebäude etwas JUWELIGES. Leben "als ob“ auf jeden Fall. Gotty kann ja nix dafür, dass es es nicht gibt. Wir aber können lieb zueinander sein, wie Genosse Jesus sagt.

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Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr


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