Selbstversuch

Und da könnte man ein Ei legen

Kolumnen | Doris Knecht   | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Leider konnten wir das Boot, als es ins Dorf eingelaufen ist, nicht mit einer Konfettiparade und Blasmusik empfangen, wie es sich selbstverständlich geziemt hätte. Wir waren aber schon auf dem Weg in die Stadt. Das hatte einerseits damit zu tun, dass diese Mutter noch SO einen Berg Formulare für die neue Schule auszufüllen hatte - Blockbuchstaben! Leserlich! Und nur ein Zeichen pro Kasterl! -, und andererseits damit, dass wir, ehrlich gesagt, nicht geglaubt haben, dass der Horwath das Boot tatsächlich gerade an diesem Tag aus dem ludescherischen Stadl kriegen würde. Aber er kriegte.

Er hatte aber auch den Breuß dabei; Breuß, den Ehrgeizigen, Breuß, den Bastler, und der Breuß, der sich seine Radln selber baut, gibt, wenn es sich um eine Sache mit Rädern handelt, nicht so schnell auf. Und der Horwath, der sture Hund, gibt sowieso nie nicht auf, das hat ja auch der Ludescher sofort gesehen. Zwei solche zusammen bringen jedenfalls auch ein vollkommen unbewegliches Boot, das jahrelang auf einem völlig eingerosteten Wagen lag und an dem mehrere eisenbemuskelte Seebären scheiterten, aus dem Ludescher-Stadl heraus; auch wenn ich froh bin, dass ich nicht dabei war.

Der Ludescher findet das, glaube ich, ordentlich großartig, endlich das sinnlose Boot weg. Und die Ludescherin erst, die, das wette ich jetzt einmal, den Abend damit zubrachte, ihre neue Laube auszumessen und den Ludescher mit Einrichtungstralala zu beglücken: da werden wir, und da könnten wir, und hier wäre doch schön.

Nur habe ich das Boot jetzt halt leider noch nicht gesehen. Der Horwath versucht seit Stunden, mir ein Foto zu simsen, aber weil er verrostete Wagenräder besser kann als iPhone, werde ich es wohl erst nächste Woche anschauen können. Im Horwath seinem Innenhof, bei den Sulmtalern, wo es jetzt liegt und vermutlich gerade von den Hendln eingerichtet wird: Dort könnte man ein Nest bauen, und da könnte man ein Ei legen und dort machen wir das Kükenzimmer.

Was mir Gelegenheit gibt, ersatzweise in einer alten Horwath-Wunde zu stochern, weil, Eva, also: der Pfau. Traurige Geschichte. Zuerst hat die Pfauin gebrütet, dann schlüpften fünf Junge, von denen der Horwath schon mindestens zwei seinen Garten optisch aufwerten sah (endlich), dann gingen die fünf Pfauenküken ein. Und die Pfauin verschwand, vorher oder nachher, man konnte es nicht genau sagen. Sie kam jedenfalls nicht wieder. Der Pfau schreit jetzt nicht mehr. Und man kann nicht sagen, ob er nicht mehr schreit, weil er traurig ist, wegen der Frau und den Küken, oder weil er froh ist, dass er endlich an Friedn hat. Gut schaut er jedenfalls nicht aus: Kürzlich erblickte ich ihn, wie er durch unsere Wiese schlich, er hatte alle Schwanzfedern abgeworfen, nicht schön. So ist das mit dem Pfau, Eva, leider. Dafür jüngelt jetzt, wen’s interessiert, die Katze von den Horwaths. Bitte, es bleibt spannend.


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