Menschen

Kometenhaft

Falters Zoo | Ingrid Brodnig, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Wir waren dann doch noch bei George Michael in der Wiener Stadthalle. Und wenn man viel Geld für ein Konzert bezahlt, auf das man sich echt freut, weil man den betreffenden Musiker irgendwie gut findet, dann ist das vielleicht eine andere Perspektive als von der Pressetribüne aus betrachtet. Oben vom zweiten Rang aus sah Mr. Michael toll aus. Die Bühne war schön, die Musik und das Orchester auch. Und Covers von Bowie-, Rihanna- oder New-Order-Nummern haben dann auch über die eher uninspirierten Ansagen des britischen Popstars und das Geschwätz der ungarischen Reisegruppe hinter uns hinweggetröstet. Doch. Gutes Konzert.

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Der Trachtenpärchenball, zu dem der Kräuterlimonadeproduzent Thomas Klein seit fünf Jahren alljährlich ins Wiener Rathaus lädt, macht Wien zur Alm. Sozusagen. Jedenfalls rannten wieder eine ganze Menge junger Dinger in Dirndln und Lederhosen durch die Stadt. Nur Herr Klein stellt weder Trachtenpärchen noch Trachtenbärchen dar, sondern erscheint jedes Mal noch ein klein wenig prätentiöser kostümiert zu der eigenen Veranstaltung. Heuer als "Flaschengeist“. Da muss echt was im Kräuterwasser sein …

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Christian Köberl, Kometenforscher und Direktor des Naturhistorischen Museums, wollte wohl schauen, wie der neue Direktoren-Kollege von vis-à-vis in der Wiener Kunstwelt einschlägt. Nicolaus Schafhausen, ab sofort künstlerischer Leiter der Kunsthalle, lud zur kleinen Kennenlernsause in den Project Space am Karlsplatz, und sämtliche Kunstis der Stadt kamen. Statt Schlüsselübergabe überreichte der Kulturstadtrat das Mikrofon an den Neuen; nicht ohne zuvor ein paar lobende Worte über dessen Vorgänger zu verlieren. Anschließend feierte man den Einstand auf der Terrasse - hinter einer Absperrung aus Loungemöblierung. Mal sehen wie das so wird mit dem Schafhausen, so kometenmäßig.

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Sigur Rós in der Arena-Arena - echt was für die Spezialisten. Also die, die im Publikum Schwätzer mit energischen "Pscht!“-Geräuschen zum Schweigen bringen, wenn Jón Þór Birgisson alias Jonsi zwischen den Songs Ansagen macht. Die waren eh nicht originell oder lustig. Aber halt auch wichtig. Ebenso wie die Streicher und Bläser auf der Bühne, die Band aus Island. Und alle zusammen schufen unglaubliche Klänge, die die Zuschauer umhauten. Das Publikum ließ sich wegblasen, paralysieren, verzaubern. Wenn nicht diese elenden Schwätzer gewesen wären. Pschtttt!

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Ohne uns mussten Sängerin Joss Stone, Prominente Elizabeth Hurley, Chansonette Ute Lemper und Burlette Dita von Teese auskommen, die man zur Eröffnung des Ritz Carlton nach Wien gekarrt hatte. Was haben wir verpasst? Kein Kommentar.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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