Tiere

Unterbewusst

Falters Zoo | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Neue Trends in der Unterwelt: Ein Mann wurde mit einem Lori-Affen in seiner Unterhose am Flughafen von Neu Delhi festgenommen. Laut Presseagentur wurde dieser Feuchtnasenaffe bei "einem Sicherheitscheck der Unterwäsche“ des Passagiers entdeckt. Und auch letzte Woche ist in Indien ein aus Thailand kommender Schmuggler mit zehn Schildkröten in seiner Unterhose verhaftet worden. Das gibt einem doch zu denken. Nicht so sehr die hässliche Angewohnheit, wilde und geschützte Tierarten zu verschleppen, sondern die offenbar gestiegenen Füllkapazitäten von Männerunterhosen erscheinen mir rätselhaft.

Seit Adam und Eva wurden primäre Geschlechtsteile nur mit Feigenblättern bedeckt, die bestenfalls ein paar Käfern als Verstecken hätten dienen können. Wann entdeckte man Unterhosen als Transportbehälter? Laut Wikipedia wurde der Slip zusammen mit dem Hosengummi erst 1914 erfunden. Die geräumigeren Boxershorts kamen ab 1930 auf, Feinripp gab es nach dem Krieg, und die hygienische und kapazitive Fehlentwicklung der Stringtangas datiert mit Ende der 1980er-Jahre.

Als im Dezember 2009 der 25-jährige Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab eine Bombe in seiner Unterhose an Bord eines Passagierflugzeugs schmuggelte, diese (die Bombe) aber nicht zündete, sondern seine Unterhose in Flammen aufging, gab es keinerlei Informationen zu dem von ihm verwendeten Wäschemodell. Offenbar aus leicht entflammbarem Kunststoff, vermutlich gut gepolstert und eben groß genug, um ausreichend Sprengstoff nebst Penis und Testikeln aufnehmen zu können.

Eine schmutzige Wahrheit brachte das Offenbacher Marplan-Institut ans Licht: 38 Prozent der Männer wechseln ihre Unterhose nicht täglich, und zehn Prozent tragen diese drei Tage in Folge. Bei den Berufsgruppen zeigen Astronauten besondere Wechselträgheit. Als 1996 der japanische Astronaut Koichi Wakata mit der Raumfähre Endeavour zur Erde zurückkehrte, endete ein intimes Experiment: Wakata trug einen Monat lang durchgehend dieselbe Hightechunterhose mit der Bezeichnung J-Wear. Dennoch meinte er: "Meine Kollegen haben sich nie beschwert.“ Nach der Landung wurde seine Unterwäsche eingehend untersucht. Ergebnisse wurden nicht bekannt gegeben; und auch welche Modelle Unterhosenschmuggler tragen, bleibt weiterhin unklar.

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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