Musik  Tipps Pop

Pop aus Düsseldorf von gestern und heute

Lexikon | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Peter Hein, der Wahlwiener aus Düsseldorf, war der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort; in den ausgehenden Siebzigern spielte er bei Mittagspause, der besten unter den frühen deutschen Punkbands. Aus ihr gingen Fehlfarben hervor, deren 1980 veröffentlichtes Debüt "Monarchie und Alltag“ wiederum als beste deutsche New-Wave-Platte in die Popgeschichtsbücher eingehen sollte und bis heute als ein Meisterwerk schlauer deutscher Popmusik strahlt. Dann verließ Hein die Band, weil er lieber seinen Bürojob bei Rank Xerox machte, als Popstar zu werden. Eine erste Fehlfarben-Reunion geriet Anfang der Neunziger zum künstlerischen Bauchfleck. 2002 gab es mit dem guten Album "Knietief im Dispo“ ein neuerliches Comeback, seitdem sind Fehlfarben kontinuierlich aktiv. Hein ist immer noch ein toller Sänger, und wenn er nicht gerade pseudoabgeklärt, aber doch ein wenig frustriert zurückblickt, ist er auch ein bemerkenswerter Texter. Musikalisch aber, das beweist auch das aktuelle Album "Xenophonie“, fehlt inzwischen leider die nötige Schärfe.

Zeitgleich mit Fehlfarben gastiert diese Woche Stabil Elite in Wien, ein junges Düsseldorfer Trio, das an die große (Elektronik-)Krautrock- und New-Wave-Tradition seiner Heimatstadt anknüpft, also das Werk von Bands wie Kraftwerk, Neu! oder Der Plan zeitgenössisch fortzuschreiben trachtet. Die Musik huldigt dem Minimalismus, die Texte sind eigenwillig und humorvoll. "Stabil Elite stehen zu diesen Referenzen“, schreibt Eric Pfeil in der FAZ euphorisch über das Album "Douze Pouze“. "Mehr noch: Sie halten sie hoch! Und genau wegen dieses deutlichen Bezugs auf die Vergangenheit können sie mit den Ideen jener Tage spielen und diese weiterdenken, ohne als reiner Retroverein zu enden.“ GS

Szene Wien, Do 20.00 (Fehlfarben) bzw. Fluc Wanne, Do 21.00 (Stabil Elite)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige