Kunst  Kritik

Gott Kappar spukt im Wienerwald

Lexikon | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Das Museum Gugging im Wienerwald ist der Art brut gewidmet, der Kunst von psychisch Kranken. Auf dem Gelände einer ehemaligen Psychiatrie untergebracht, liegt das Ausstellungshaus in der Nähe des "Hauses der Künstler“. Diese Einrichtung entstand im Rahmen eines kunsttherapeutischen Programms von Leo Navratil, dessen berühmtester Teilnehmer August Walla (1936-2011) war.

Die Ausstellung "August Walla.! Weltallende“ umfasst Gemälde, Zeichnungen und von ihm bemalte Alltagsgegenstände. Sogar ein Stück Asphalt, das von dem Künstler durch den Pinsel in seine Zeichenwelt integriert wurde, fand den Weg in die Ausstellung. Die Kunst Wallas erregte in den 1970er-Jahren die Bewunderung von "gesunden“ Kollegen, die nach Gugging kamen, um das Gesamtkunstwerk zu studieren. Walla wuchs in armen Verhältnissen auf, lebte mit seiner Mutter in Notbehausungen; das Haus der Künstler bot ihm eine schützende Unterkunft.

Die barocke Überfrachtung der Bilder und der exzessive Einsatz von Symbolen wie dem Hakenkreuz vermögen den Betrachter zu faszinieren. Walla verfährt strikt zweidimensional, entwickelt eine Art Propagandasprache, ein Trommelfeuer der Botschaften über eine von ihm erfundene polytheistische Philosophie: eine geheimnisvolle Welt, bevölkert von Geistern, mit der Aussicht auf ein fernes "Weltallendeland“, das Totenreich, Paradies, Fegefeuer oder das große Nichts sein kann.

Die dort lebenden Götter heißen Kappar (der Gespenstergott), Seiril, Sararill oder auch Satttus und sind den von den Menschen verehrten Göttern verwandt. Die von Johann Feilacher überaus kenntnisreich kuratierte Ausstellung ruft einen Künstler in Erinnerung, der den Vergleich mit Kunststars wie Jonathan Meese nicht zu scheuen braucht. MD

Museum Gugging, bis 28.10.


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