Film  Neu im Kino

In "Griffen“ ist der Dichter eine Sehenswürdigkeit

Lexikon | Klaus Nüchtern | aus FALTER 37/12 vom 12.09.2012

Die Kärntner Marktgemeinde Griffen zählt 3551 Einwohner (Stand: 1.1.2012) und verfügt über einen großen Sohn: Peter Handke. Und um den geht es auch in dem Film "Griffen - Auf den Spuren Peter Handkes“. Der Dichter selbst kommt nicht ins Bild und nur indirekt - über Zitate aus Werken und Ansichtskarten - zu Wort. Er ist sozusagen das leere Zentrum dieser vom gebürtigen Griffener Bernd Liepold-Mosser besorgten Recherche.

Handke-Fans werden möglicherweise enttäuscht sein, denn viel mehr werden sie über ihr Idol nach den 79 Minuten auch nicht wissen. "Die Sehenswürdigkeit von Griffen“, als die der Dichter von einem Schüler bezeichnet wird, ist fraglos berühmt: Japanische Touristinnen erkundigen sich nach ihm, in den Schulen hängen Collagen mit seinem Konterfei; aber wirklich für ihn zu interessieren scheinen sich die eigenen Landsleute kaum. Manche, vor allem unter den Älteren, können ihre Abneigung gegen den ewigen Eigenbrötler, der nie einem Fußball hinterhergelaufen ist (aber dann Romane über die "Angst des Tormanns beim Elfmeter“ schreiben!), kaum verbergen, wollen ihm nicht nachsehen, dass er "so sehr ins Slowenische geneigt ist“.

Wie authentisch ist "Wunschloses Unglück“? Gar nicht, deutet ein Griffener an. Handke habe sich seine ärmliche Kindheit einfach erfunden. Egal, sagt der (akustisch kaum verständliche) Bruder, es sei ja auch ein Roman; den er andererseits nicht zu lesen brauche, weil er darüber, wie es wirklich war, eh Bescheid wisse. So ist "Griffen“ ein Dokument einer misslingenden, weil vielfach gar nicht gewollten Annäherung - nicht nur zwischen dem Dichter und seinem Heimatort, sondern vor allem zwischen den Slowenen und den Abwehrkärntnern.

Ab Fr im Filmhaus-Kino


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