Medien schließen Menschen aus

Festrede: Alfred J. Noll | Historisches | aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

Credo Unsere Medien fördern nicht die Demokratie, sondern Vereinfachung und Entmächtigung

Es entspricht den Üblichkeiten, bei fest- und sonntäglichen Gelegenheiten ein Bekenntnis abzugeben. Was ehedem in unseren Kirchen stattfand, hören wir heute von den Kanzeln unserer Sonntagsredner:

Presse unser, die du bist im Himmel,

geheiligt werde dein Name;

zu uns komme dein Reich;

dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auch auf Erden!

Und kaum sind die letzten Silben verklungen, mutiert die versammelte Mediengemeinde vielstimmig zum Chor der feierlich gestimmten und durchaus von den Untiefen heimischer Politik angewiderten Pressefreiheitsbewahrer und antwortet den Sonntagsrednern mit der rechten Hand am Herzen:

Unser täglich Brot gib uns heute;

und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern;

und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Übel. Amen.

Diese Verballhornung des "Vaterunser“ mag manchen als Sakrileg erscheinen. Tatsächlich macht sie aber deutlich,

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