Falter-Politik: Staub an den Füßen, das Gute im Herzen

Blatt und Stadt in Wort und Bild | Resümee: Florian Klenk | aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

Die Politikseiten des Falter sind mehr als ein Phrasenabwurfplatz für Politiker und eine "Politik-Politik“-Berichterstattung. Sie waren und sind ein Bekenntnis zu Haltung, Meinung und investigativer Recherche. Obwohl der Falter lange Zeit als "Wiener Stadtzeitung“ auftrat, hatte er stets nationale, aber auch internationale Themen im Blick.

Der Republik gab der Falter schon in den Jahrzehnten von Zwentendorf (1977), Hainburg und den Grünen(1984), Waldheim (1986) und Haider (ab 1986), seit der Wende 2000 aber immer öfter die Themen vor. Der Fall des Karl-Heinz Grasser wurde im Falter ebenso zum ersten Mal enthüllt, wie Folterskandale in der Wiener Polizei und die unerträglichen Haftbedingungen in der Justizanstalt Stein. Diese vermeintlich chronikalen Geschichten waren zutiefst politisch: Politik nicht von oben, sondern von unten beschrieben: aus Gefängnissen, Schubhaftzellen, Arbeitslosenheimen, Schrebergartensiedlungen und Sektionslokalen.

Falter-Politikredakteure pflegen das Genre der Reportage, der reflektierte Beobachtung. Nicht allen passt unser distanzierter und kritischer Zugang. Jörg Haider verweigerte die Autorisierung eines Interviews, er hielt die Fragen für "pathologisch“ . Kurt Waldheim wollte uns beschlagnahmen lassen, der Milliardenkonzern Novomatic zerrt uns gerne vor Gericht. Funktionäre in Justizministerium und Polizei sondern Tiraden gegen den Falter ab - um ihn dann wieder mit vertraulichen Akten zu füttern.

Hat all das etwas gebracht? Wir glauben, ja. Die Welt ist durch uns ein Stückchen besser und klüger geworden.


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