Not part of the game: die Medien-berichterstattung im Falter

Blatt und Stadt in Wort und Bild | Medienkritik: Ingrid Brodnig | aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

Jeder Publizistikstudent im ersten Semester lernt: Der Journalismus ist die vierte Macht im Staat, das Kontrollorgan der Mächtigen, der Wachhund der Demokratie. Eine herzige Vorstellung.

Die Realität besteht aus Journalisten, die überfordert oder unterinteressiert sind, und aus Medienhäusern, die die Politik in erster Linie als Inseratenkunde sieht. Man ist no na ned part of the game. Und es gibt nur wenige, die da nicht mitspielen wollen.

Der Falter ist einer davon. Schon seit seiner Gründung ist die Medienkonzentration in Österreich, die enorme Macht des Boulevards ein Kernthema dieser Redaktion und ihres Herausgebers Armin Thurnher, der seit 1994 seinen berühmten letzten Satz verfasst, der damals lautete: "Im Übrigen bin ich der Meinung, die Mediaprint muss zerschlagen werden.“

Geholfen hat es nichts. Noch immer dominiert die Mediaprint den Markt, und ihr Schlachtschiff, die Kronen Zeitung, gibt den Kurs für die gesamte Politiklandschaft vor. Doch zumindest ist diese triste Situation mittlerweile bekannt, und seit 35 Jahren herrscht der Versuch, die wenigen kritischen, systemresistenten Geister dieses Landes im Blatt zu Wort kommen zu lassen - Menschen, wie ORF-Moderator Robert Hochner oder Verleger Hubertus Czernin.

Seit 1998 gibt es ein eigenes Medienressort, das auch komplexe Debatten führt: der Aufstieg Jörg Haiders als Medienphänomen; die massive politische Einflussnahme auf den ORF unter Schwarz-Blau; die Erpressung der Politik durch geschäftstüchtige Zeitungsmacher; die Existenzkrise des Journalismus im digitalen Wandel. All das sind Fragen, die in einer Gründlichkeit behandelt werden, für die es anderswo keinen Platz oder kein Interesse gibt.

Auf die Gefahr hin, sich zu wiederholen: Geändert hat das die Medienlandschaft bisher nicht. Und doch ist der erste Schritt zum Wandel die Erkenntnis, dass man ein Problem hat.


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