Theater  Kritik

Ein Solo für Greta Keller und für Andrea Eckert

Lexikon | aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

Greta Keller (1903-1977) war Wiens größtes Geschenk an Amerika, hieß es mal in einer Radioshow. Die österreichische Chansonsängerin hatte ein aufregendes und dramatisches Leben. Nach Auftritten in Berlin, Paris und London ging sie in den 30er-Jahren in die USA. Mit ihrer tiefen Stimme wurde sie bekannt. Sie sang zusammen mit Marlene Dietrich, produzierte über 800 Tonaufnahmen, eröffnete ihren eigenen Club "Chez Greta“. Ihr zweiter Ehemann, der Schauspieler David Bacon, wurde zwei Jahre nach der Hochzeit ermordet, die Umstände blieben ungeklärt. In den 50er-Jahren kehrte die Sängerin nach Wien zurück, wo sie 1977 starb. Greta Keller hatte ihren ersten Auftritt als Zwölfjährige in einer Hosenrolle am Volkstheater in Wien.

Wie passend also, ihr auf dieser Bühne Tribut zu zollen. "Bon Voyage“, entstanden nach einer Idee von André Heller, ist aber nicht nur ein Abend über Greta Keller, sondern vor allem ein Abend für die Schauspielerin Andrea Eckert. Eckert ist toll in der Rolle der Chansonsängerin. In einem simplen Blumenkleid singt sie mit tiefer Stimme, kokettiert mit dem Publikum und der Band. Der Regisseur Rupert Henning gibt Andrea Eckert eine ganze Bühne (Georg Resetschnig), die mit ein paar Stiegen und einem Stapel Koffer ausreichend Platz für die Geschichten eines gesamten Lebens schafft. Über allem steht in roter Leuchtschrift: Greta. Wenn da nicht die Rahmenhandlung wäre, würde dieser Soloabend wunderbar funktionieren. Eckert spielt aber nicht nur die Rolle der Sängerin, sondern auch noch Josefine, die ein großer Keller-Fan ist und auf einem Dachboden in Wien Zwischenkriegszeit, Wirtschaftskrise, den Zweiten Weltkrieg und die Hungersnot erlebt. Gebraucht hätte es diese Geschichte nicht, im Gegenteil, sie ist der Störfaktor eines sonst stimmigen Abends.

SARA SCHAUSBERGER

Volkstheater, Mo, Mi 19.30


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