Meinesgleichen Busen versus Mohammed: Meinungsfreiheit am Ende

aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

Die Pressefreiheit, zu Ende gedacht, lässt sich mit der Menschenwürde nicht vereinbaren. Anlässe, Kierkegaard zu zitieren, kommen einem täglich entgegen; zwei waren es in den jüngsten Tagen. Der schmierigste Boulevard geniert sich nicht, die Meinungsfreiheit in Anspruch zu nehmen, wo er nur die Privatsphäre verletzt. Dass diese auch bei noch so prominenten Personen geschützt ist, muss jedem spätestens seit dem Caroline von Monaco betreffenden Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte klar sein. Dass die französischen, irischen und italienischen Klatschblätter dies ignorierten und Paparazzifotos von Kate Middleton, der Herzogin von Cambridge, brachten, die diese ohne Bikinioberteil zeigten, wird hoffentlich mit saftigen Strafen belegt.

Hoffentlich mit so saftigen, dass sie auch Silvio Berlusconi spürt, der Eigentümer des italienischen Blättchens Chi, das gleich am Montag eine 38 Seiten starke Busen-Sonderausgabe herausbrachte. Berlusconis Tochter Marina sagte, die Mondadori-Gruppe (in der einst Bücher von Cesare Pavese und Antonio Gramsci erschienen) verteidige nur "Freiheit und Autonomie“. Das Zeitalter Pinocchios erlebt stets neue Höhepunkte. - Einen Tiefpunkt stellt das Mohammed-Video dar, gegen das hunderttausende Muslime protestieren, ohne es je gesehen zu haben. Man kann es getrost als Dreck bezeichnen. Aber in diesem Fall gilt - solange ein Gericht das nicht anders beurteilt - das zivile Recht der Meinungsfreiheit. Es ist gegen den Zorn ganzer Nationen zu verteidigen. F


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