Kommentar Literatur & Skandal

Österreich ist nicht "Fritzl-Land“ und "Claustria“ kein "Coup“


Klaus Nüchtern
Meinung | aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

Was ist eigentlich mit den Franzosen los? Irgendwie scheinen die ziemlich seltsame Vorstellungen a) von Österreich und b) von Literatur zu haben. Anders lässt es sich nämlich nicht erklären, warum ein in jeder Hinsicht mieses Machwerk wie Régis Jauffrets Fritzl-Fiktionalisierung (siehe S. 28 f.) in Frankreich zum Bestseller avancieren konnte.

Dass ein solches Buch von Blödmaschinen wie News, die prinzipiell nur skandalisierend oder superlativistisch über Kultur berichten, allen Ernstes als "literarisches Meisterwerk“ angepriesen wird, verwundert nicht; dass auch ernstzunehmende Medien den Unfug mitgemacht haben, sehr wohl.

Schon möglich, dass die Psychopathendichte hinter niederösterreichischen Thujenhecken etwas dichter ist als andernorts. Als Symptom fürs kollektive Unbewusste eines ganzen Landes taugt Josef Fritzl aber nicht. Schon möglich, dass ein paar Anrainer nicht so genau wissen wollten, was im Keller seines Hauses vor sich ging. Das fällt aber eher unter "Wurschtigkeit“

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